Kind kommt nicht richtig im Kindergarten an - wer hat Input?

FuchsiliFuchsili

970

bearbeitet 13. Januar, 10:21 in Entwicklung & Erziehung
Hallo ihr Lieben,

mein Mann und ich machen uns Sorgen.
Unser Kind hat im Oktober im Kindergarten begonnen (zu dem Zeitpunkt war er 2 Jahre, 10 Monate alt). Die Eingewöhnung lief super problemlos. Er hat schnell gefallen gefunden und nach ein paar Wochen hatten wir unsere Wunschbetreuungszeit von 09:00-14:30 erreicht. Er hat dort gespielt und auch gut gegessen. Teilweise wollte er nicht nachhause als wir ihn abholen wollten.
Dann gab es einen Bruch. Vermutung: durch Personalwechsel oder Gruppenwechsel oder einen heftigen Sturz, den er dort hatte.
Es änderte sich schlagartig alles. Er wollte in der Früh nicht gehen und es gab viele Tränen. Auch vor Ort war der Abschied schwierig. Dass nicht immer die selben Personen da waren (Krankheit, Urlaub) erschwerte die Situation in der Früh. Aufgrund der Situation hatten wir die Betreuungszeit seit ca einem Monat von 09:15-12:30 gekürzt. Irgendwann begann unser Kind einzufordern, dass es nur auf der Couch (in der Gruppe) sitzen und warten möchte bis es abgeholt wird. Wir haben natürlich einfach "okay" gesagt, aber waren schon etwas verwundert. Ab diesem Moment gab es eigentlich keine Tränen mehr. Solange er dort sitzen durfte bzw. entscheiden durfte, dass er auf der Couch bleiben will.
Es gab ein tolles Entwicklungsgespräch mit dem Pädagogen und später auch mit der Leitung. Uns wurde versichert, dass er einfach mehr Zeit brauche und es nicht unüblich ist. Es gäbe nunmal Kinder, die lieber passiv teilnehmen und zuerst mal zusehen und die Situation analysieren und verstehen wollen. Zuhause singt er Kindergarten Lieder und wirkt nicht so als ob er es dort "hassen" würde. Gerne geht er trotzdem irgendwie nicht. Es ist so als würde er nunmal kooperieren, weil er keine Wahl hat. Das pädagogische Personal meint wir sollen die Couch als Ressource sehen und dass es sozusagen sein Safe Space ist.. Trotzdem macht es uns irgendwie traurig, dass er nicht Teil der Gruppe ist und nur dort alleine sitzt.
Dazu kommen unzählige Infekte, die natürlich dafür gesorgt haben, dass er sehr unregelmäßig dort war.
Wir haben nun nach den Weihnachtsferien wieder gestartet und alles läuft ohne Tränen oder großen Protest. Er fordert allerdings immer ein, dass er auf der Couch warten will bis er abgeholt wird. Wenn er abgeholt wird sitzt er auch immer nur dort. Laut Pädagogen spielt er kaum und will auch nicht essen. Am Anfang hat er dort das Mittagessen und auch die Jause genüsslich gegessen und saß sogar immer als letzter dort.
Zuhause erzählt er ganz normal wer aller dort war. Ich habe nicht den Eindruck, dass es für ihn ein negatives Erlebnis ist. Auch die Pädagogen meinen er wirkt auf der Couch nicht angespannt oder gestresst, sondern beobachtet einfach nur...
Trotzdem machen wir uns irgendwie Sorgen :(

Kommentare

  • Mich erinnert das ein bisschen an meine eigene Kindergartenzeit - ich hatte eine Phase, da war mein auserwählter safe space die Heizung. Am liebsten bin ich dort gestanden und habe die anderen beobachtet. Klingt im Nachhinein total seltsam aber ich schätze, mir als sehr sensibles Kind hat das einfach Sicherheit gegeben. Ich war aber grundsätzlich nicht unglücklich.

    Für euren Sohn scheint die Couch auch eine Bewältigungsstrategie zu sein, die ihm ein gewisses Maß an Sicherheit und Kontrolle gibt. Da habt ihr meiner Meinung nach genau richtig gehandelt, indem ihr sein Verhalten zugelassen und nicht problematisiert habt.

    Könnte es sein, dass eurem Sohn beim Essen zu viel los ist? Weil er ja seine Komfortzone verlassen und sich aktiv am Geschehen beteiligen müsste ... also ich kann gut nachvollziehen, dass er sich da einfach noch nicht sicher genug ist.

    Dass er daheim Lieder singt und vom Kindergarten erzählt, ist auf jeden Fall ein positives Zeichen :). Vielleicht ist das einfach ein Übergang und euer Sohn braucht noch Zeit, sich wieder in der Gruppe einzufinden?
    Fuchsili
  • Unsere kleine hat auch sehr lange immer nur „beobachtet“ aber das war dann von einem auf den anderen Tag Geschichte! 🙂

    Vielleicht braucht er eben wirklich einfach nur länger, das ist ja auch ok. Jeder hat sein Tempo.
    Ist ja in der schule auch so, einige brauchen auch wesentlich länger um dort „anzukommen“.
    Fuchsili
  • Bei meinem Sohn war es sehr lange ähnlich.
    Er kam bereits mit 1 Jahr 10 Monate in die Kleinkindgruppe (es ist ein offener Kindergarten, die Kleinen unter 3 haben allerdings einen Raum für sich - können aber auch jederzeit in alle anderen Bereiche gehen).
    Die Eingewöhnung war in Ordnung, es gab aber immer wieder Tränen beim verabschieden. Als ich dann weg war hat er sich jedoch immer schnell beruhigt aber richtig teilgenommen am Geschehen hat er nie. Auch bei ihm hieß es immer es gibt Kinder die schauen lieber zu und beobachten. Wenn er gespielt hat dann lieber für sich und immer im "geschützten Raum". Es war schlimm für ihn wenn es da Abweichungen gab. Er hat sich auch immer schwer getan wenn ZU viele Kinder direkt um ihn herum waren.

    Ich hab mir sooo Sorgen gemacht dass vielleicht irgendwas nicht stimmt oder das er unglücklich ist. Ich war wirklich sehr lange immer traurig darüber dass er - in meinen Augen - keinen Spaß oder Freude hat.

    Letztes Jahr nach den Sommerferien hat sich das dann schlagartig geändert, und mein Sohn war zu dem Zeitpunkt schon über 3,5 Jahre. Also hat diese "Phase" bei ihm fast 2 Jahre angedauert 🙈 glaub bei meinem Sohn liegt es wirklich daran weil er sehr, sehr sensibel und teils auch introvertiert ist. Rückwirkend betrachtet glaube ich nicht dass er je unglücklich war, es ist einfach seine Art.

    Vielleicht braucht er wirklich noch ein wenig um richtig anzukommen 😊

  • Du schreibst, es gab einen Bruch. „Vermutung: durch Personalwechsel oder Gruppenwechsel oder einen heftigen Sturz, den er dort hatte.“
    Sind diese drei Sachen alle zeitnah tatsächlich passiert? Was war das genau mit dem Sturz? Wenn er vorher problemlos hingegangen ist, würde ich hier wirklich noch mal genauer nachhaken wollen. Er scheint zumindest nun ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis zu haben, das sich auf die Kita bezieht. Ich würde, glaube ich, da sogar eher noch mit einer externen Fachperson (Kinderpsychotherapeutin) mal drüber sprechen als einfach nur abzuwarten. Hat er ein Kuscheltier/Puppe/Schnuffeltuch oder irgendein Objekt, das ihm Sicherheit gibt? Vielleicht mag er das zur Verstärkung mitnehmen?
    Was machen denn die Pädagog*innen, lassen die ihn da einfach hocken? 😬 (Meist gibts ja keine Extrawürste, weil eben der Betreuungsschlüssel es nicht erlaubt..)
    Fuchsili
  • Mitleserin schrieb: »
    Mich erinnert das ein bisschen an meine eigene Kindergartenzeit - ich hatte eine Phase, da war mein auserwählter safe space die Heizung. Am liebsten bin ich dort gestanden und habe die anderen beobachtet. Klingt im Nachhinein total seltsam aber ich schätze, mir als sehr sensibles Kind hat das einfach Sicherheit gegeben. Ich war aber grundsätzlich nicht unglücklich.

    Für euren Sohn scheint die Couch auch eine Bewältigungsstrategie zu sein, die ihm ein gewisses Maß an Sicherheit und Kontrolle gibt. Da habt ihr meiner Meinung nach genau richtig gehandelt, indem ihr sein Verhalten zugelassen und nicht problematisiert habt.

    Könnte es sein, dass eurem Sohn beim Essen zu viel los ist? Weil er ja seine Komfortzone verlassen und sich aktiv am Geschehen beteiligen müsste ... also ich kann gut nachvollziehen, dass er sich da einfach noch nicht sicher genug ist.

    Dass er daheim Lieder singt und vom Kindergarten erzählt, ist auf jeden Fall ein positives Zeichen :). Vielleicht ist das einfach ein Übergang und euer Sohn braucht noch Zeit, sich wieder in der Gruppe einzufinden?

    Danke für deine Antwort! Es tut gut eine ähnliche Erfahrung aus einer anderen Perspektive zu hören. :) Meine Mama erzählt mir auch immer wieder, dass ich mich so ähnlich verhalten hab.

    Wegen dem Essen: ich glaube eher nicht, denn in den ersten Wochen hat er dort sehr, sehr gerne gegessen. Es könnte vielleicht auch an der Autonomiephase liegen bzw. daran, dass es ihm gerade sehr wichtig ist selbst zu bestimmen. Das Gute ist es hört sich nie so an als wäre da viel Schwere dabei. Er sagt in der Früh schon "Ich will nicht dort essen" und während er es sagt wirkt es eigentlich nicht gestresst oder so..
  • kathi87 schrieb: »
    Unsere kleine hat auch sehr lange immer nur „beobachtet“ aber das war dann von einem auf den anderen Tag Geschichte! 🙂

    Vielleicht braucht er eben wirklich einfach nur länger, das ist ja auch ok. Jeder hat sein Tempo.
    Ist ja in der schule auch so, einige brauchen auch wesentlich länger um dort „anzukommen“.

    Echt? Von einem Tag auf den anderen? Spannend!
    Der Pädagoge hat mir heute morgen erst erzählt, dass unser Kind gestern zwar viel auf der Couch war aber zwischendurch immer wieder Memory und Puzzle gespielt hat.. ich hab mich darüber sehr gefreut 🥰 und ja du hast recht. Jeder Mensch (und besonders die Kleinen haben ein unterschiedliches Tempo. Wir bemühen und auch keinen Druck zu machen, aber Sorgen macht man sich halt trotzdem...
  • BirteF schrieb: »
    Du schreibst, es gab einen Bruch. „Vermutung: durch Personalwechsel oder Gruppenwechsel oder einen heftigen Sturz, den er dort hatte.“
    Sind diese drei Sachen alle zeitnah tatsächlich passiert? Was war das genau mit dem Sturz? Wenn er vorher problemlos hingegangen ist, würde ich hier wirklich noch mal genauer nachhaken wollen. Er scheint zumindest nun ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis zu haben, das sich auf die Kita bezieht. Ich würde, glaube ich, da sogar eher noch mit einer externen Fachperson (Kinderpsychotherapeutin) mal drüber sprechen als einfach nur abzuwarten. Hat er ein Kuscheltier/Puppe/Schnuffeltuch oder irgendein Objekt, das ihm Sicherheit gibt? Vielleicht mag er das zur Verstärkung mitnehmen?
    Was machen denn die Pädagog*innen, lassen die ihn da einfach hocken? 😬 (Meist gibts ja keine Extrawürste, weil eben der Betreuungsschlüssel es nicht erlaubt..)

    Also das Team geht sehr liebevoll damit um. Sie üben keinen Druck aus und gleichzeitig bieten sie Spiel und Essen an. Der Pädagoge berichtet mir auch fast täglich wie es gelaufen ist :) Bin damit wirklich sehr,sehr happy.

    Sie hatten damals einen Gruppenwechsel, weil die Größeren auf Auslug gingen und sie die Gruppen zusammenlegen mussten. Das war meinem natürlich gar nicht recht. In der Gruppe ist er dann scheinbar beim rumlaufen gestürzt und hat sich dabei mit den Zähnen die Lippe recht heftig aufgeschlagen. Er konnte deswegen auch eine Zeit lang nicht ordentlich essen und das hat ihn doch sehr mitgenommen.
    Als damals seine starke Verhaltensänderung kam war ja mein erster Gedanke bzw meine erste Angst, dass irgendjemand aus der anderen Gruppe dort gemein zu ihm war (von den Betreuerinnen).. Ich weiß es nicht und es lässt sich natürlich auch nicht "nachforschen". Es kann aber auch sein, dass der Sturz alleine gereicht hat und die Tatsache, dass niemand seiner engsten Vertrauenspersonen da war als es ihm schlecht ging...

    Bei uns in der Gruppe passt mit den Pädagoginnen auf jeden Fall alles und das sieht und merkt man auch. Die Leitung schaut immer wieder durch die Gruppen und ist da auch sehr aufmerksam - das gibt mir auch ein gutes Gefühl.
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