Vormund, wenn Eltern sterben

Hallo!

Ein Thema, über das niemand gerne nachdenkt und das niemand gerne anspricht, aber doch sehr wichtig ist, zu regeln - wie ich finde. Ich habe mir Gedanken darüber gemacht, was mit unserem kleinen Sohn passiert, sollten mein Partner und ich sterben. Ich möchte keinesfalls, dass unsere jeweiligen Eltern sich dann um ihn streiten und er bei einem von ihnen leben soll. Dafür gibt es mehrere Gründe, wie veraltete Ansichten von der Erziehung, aber auch, dass sie einfach in einem Alter sind (Mitte 60-Mitte 70), in dem ganz klar ist, dass sie nicht mehr so lange leben werden, wie mein Sohn (jetzt noch nicht ein Jahr) eine dauerhafte Bezugsperson als Elternersatz brauchen wird. Ich möchte nämlich nicht, dass er dann aufwächst bei Großeltern als seine engsten Bezugspersonen und die dann auch verliert, wenn er noch klein ist. Wir haben auch schon festgelegt, bei wem er aufwachsen soll.

Wie habt ihr das geregelt in rechtlicher Hinsicht? Einfach ein Testament gemacht? Oder gibt es da eine Verfügung, die man wo hinterlegen kann?

Kommentare

  • KaffeelöffelKaffeelöffel

    10,335

    bearbeitet 22. 01. 2023, 11:04
    Ich glaube (bitte korrigiert mich, wenn ich mich irre), dass du da in Österreich keine rechtliche Handhabe hast. Zu wem das Kind im Fall des Falles kommt entscheidet das Gericht. Meist sind das Personen, zu denen das Kind schon eine Beziehung hat. Das können Verwandte aber auch enge Freunde der Eltern sein.
    Ich meine, mich erinnern zu können, dass du ein formloses Schreiben aufsetzen kannst, wo du deine Wünsche diesbezüglich vermerkt aber - wie gesagt - die letztentscheidung darüber trifft ein Richter.

    Bei uns ist es ganz klar, dass sich die Eltern meines Mannes oder einer seiner Brüder um unsere Kinder kümmern würden. Wir stehen uns aber sehr nah und vertrauen ihnen da auch zu 100% insofern wär der Fall bei uns wohl recht eindeutig und simpel.
    winniejasmini_bambini
  • Ich habe dazu selber mal einen Brief verfasst, so dass zumindest alle Beteiligten wissen, was unser Wunsch gewesen wäre. Denke das hilft durchaus bei der Lösungsfindung, wenn man weiß, dass man im Sinne der Eltern handeln kann.
    In unserem Fall wär es so, dass meine Schwester unsere Tochter nehmen würde. Ist aber 100 km weiter weg. Könnt mir daher vorstellen, dass wir das mal ändern, wenn unsere Tochter älter u mehr verwurzelt hier ist, dann käme meine Schwägerin in Frage, sie wohnen gleich neben uns.
    Das Kind meiner Schwester würd ich auch jederzeit aufnehmen, wenn da mal was sein sollte.
    jasmini_bambini
  • @Kaffeelöffel ja das stimmt. Wer das Sorgerecht erhält entscheidet das Gericht. Wenn natürlich ein Schreiben aufgesetzt wurde indem eine bestimmte Person bevorzugt wurde, wird geprüft welche Bindung die Kinder zu der Person haben bzw wie die Person lebt etc. Aber das Schlusswort hat der Richter sozusagen.

    Ganz heikles Thema bei uns. War schon Drama wegen den Taufpaten.
    Beide Großeltern können die kleinen nicht mehr handeln.. meine Schwester hat ein Kind. Reicht ihr aber auch. Seine Geschwister haben keine Kinder sind aber auch absolut nicht interessiert daran.
    Also ja... Wir haben das Thema vertagt. 😣
  • @Kaffeelöffel Ja so ist es. Man kann aufsetzen lassen was man will, an Ende schaut sich das Gericht die "Bewerber" an und entscheidet dann.
    Ich hab mich da bei einer Juristin vom Jugendamt schon mal informiert...

    Weil es ja sein könnte, dass in der Zeitspanne zwischen Testament und Todesfall die Oma die eigentlich das Kind bekommen sollte, inzwischen nicht mehr geeignet ist...

    Mir wurde auch geraten, ein formloses Schreiben zu machen wo man erklärt wieso man eine bestimmte Person als vormund möchte, beide Eltern unterschreiben das und die Person soll eine Version bekommen und eine hebt man sich selber auf. Das Gericht wird den Wunsch nach Möglichkeit schon berücksichtigen, muss die Person aber trotzdem vorher natürlich auf ihre Eignung prüfen. Und wenn das Kind sich selber ausdrücken kann wirds auch leichter.
  • Meine Schwägerin war am Anfang sehr erstaunt warum wir nicht wollen, dass unsere Tochter (bald zwei Kinder) zu ihr kommt, da sie ja Taufpatin ist und davon ausging, dass es dann automatisch sie wird als Taufpatin. War früher in Deutschland wohl so, dass die Taufpaten (meist Onkel Tante) das Sorgerecht bekommen haben.

    Bin mir ziemlich sicher dass auch das Gericht nach unseren Wünschen entscheidet, sofern sich nicht gesundheitlich was extrem ändern würde.
  • Also soweit ich weiss, werden hier schon auch noch die Paten in die Pflicht genommen.

    Bei uns ist schriftlich beim Notar festgelegt, dass wir die Jungs meiner Schwägerin nehmen würden (die wohnen in D, hier sind wir die Paten) und bei unseren Kindern, würden ebenfalls die Paten in die Pflicht kommen (mein Bruder ist der Pate unseres Sohnes und seine Frau die Patin unserer Tochter).
    Wir haben die Paten damals schon sehr sorgfältig gewählt und auch geschaut, dass die eine gute Beziehung zu einander haben und weiter haben werden.....
    Wir finden das ganz wichtig.
  • Paten sind jeweils unsere Geschwister und eine Nichte meines Mannes.
    Unsere Kinder würden definitiv in der Familie bleiben, weil ein gutes verhältnis besteht.
    Eine Schwägerin hat (gewollt) keine eigenen Kinder und würde sie sofort nehmen.
    So das die Kinder im gewohnten Umfeld, Schule, Kiga etc bleiben könnten.

    Aber ehrlicherweise machen wir uns keine Gedanken darüber.
    Wir fliegen nicht mal. Wäre wohl sehr unwahrscheinlich das uns gleichzeitig was passiert.
  • @Dorli85 ich glaub nicht, das Taufpaten da eine große Rolle spielen. Schließlich gibt's - allgemein gesehen - immer weniger Kinder die getauft werden.
    Meine Kinder haben keine Paten 🤷

    Aber wie gesagt - das letzte Wort hat das Gericht.
    Magicbustrip
  • Sehr interessantes Thema, ich habe selbst schon so oft darüber nachgedacht, da ich und mein Mann niemanden hier in Ö haben, der die Kinder nehmen könnte. Eigentlich kommen nur meine Eltern (falls sie dann nicht schon zu alt sind) oder sein Bruder (hat aber selbst schon 6 Kinder 😂😂 aber er würde gerne noch unsere drei aufnehmen) …nur beide leben im Ausland …sein Bruder lebt in Deutschland und meine Eltern in Slowenien…wie wird es denn dann gehandhabt?? Geht es auch über die Grenzen?? 😄😄 ich habe sonst niemanden, da ich ein Einzelkind bin und die anderen Geschwister von meinem Mann sind alle in Russland, was ja zu weit wäre und da besteht auch kein soo enger Kontakt, dass wäre für die Kinder dann auch schrecklich. Ich werde schon schriftlich festlegen, dass wir gerne meine Eltern oder den Bruder hätten, aber trotzdem hoffe ich, dass uns nichts passiert und es nie nötig wird 😄😄
  • War nicht ursprünglich die Idee von Paten nicht eben diese entscheidung? Also ist für viele naheliegend aber auch wir haben keine Paten o.ä.

    Unsere beider Geschwister sind zu jung (maximal 20) da wir quasi die "unfall kinder" mit 19/20 waren - mein Mann und ich. Mein Vater wohnt in der Schweiz und seine Eltern sind getrennt und jeweils in neuer Beziehung, wobei auch die nicht wirklich passen finde.
    Freunde haben wir, aber die ums ganz nahe stehenden wohnen wieder nicht in der Nähe und andere sind nur entfernte Freunde oder derzeit halt so baby-freunde.
    Ich bin also auch viel überlegen. Ich muss ehrlich sagen, dass ich eigentlich den Gedanken schön fände meine Kinder kämen in eine tolle Familie, die sich sehnlichst kinder wünscht und wo sie mit Liebe empfangen werden. Gleichzeitig sollen sie aber ihre Wurzeln, ihre Familie etc. Nicht verlieren. Keine Ahnung ob das so möglich ist :open_mouth:
  • Ja ganz früher, als es noch keine Kinder-und Jugendfürsorge und Familiengerichte gab, war das ganz bestimmt der Sinn von Paten.

    Aber auch hier gilt, was wenn der Pate sich wenig für das Kind interessiert, was wenn er in der Zwischenzeit Alkoholiker geworden ist, was wenn...
    Die Paten können sich sicher auch "ums Kind bewerben", aber auch da: wenn ich will dass der Pate/Patin die Obsorge bekommt, muss ich das wo hinschreiben und kann nur hoffen, dass es im Ernstfall berücksichtigt wird.
  • Bei uns in der Ortschaft gab es so einen Fall. Die alleinerziehende Mutter einer 13jährigen ist gestorben. Gemeinsam mit Vater u. Rest der Familie wurde übers Gericht vereinbart, dass das Mädchen zur Tante zieht. Für den Vater blieb es im Grunde unverändert, der hat die Tochter am WE.
  • Zur Tante ist ja aber Familie.
    In unserem Fall würden Sie ja quasi "adoptiert" werden von Fremden.
    Und da weiß man ja nicht, halten die den Kontakt zum Rest der Familie?

    Es sind eben in der Familie alle über 60, weit entfernt oder unter 20. Alles keine Personen, bei denen ich es mir derzeit vorstellen könnte.
  • Ich hatte eine Kollegin, deren Mama ist an einem Hirnaneurisma (schreibt man das so?) ganz plötzlich gestorben als sie 12 oder so war. Da wurde dann vereinbart, dass sie zur besten Freundin der Mama kommt, obwohl es auch noch einen Papa gab. Sie war aber da schon in einem Alter, wo sie das mitentscheiden konnte. Zur besten Freundin (selbst kinderlos) war der Kontakt enger als zum Papa also hat das wohl für alle so gepasst. Ich fand ihre Geschichte so bemerkenswert und ich hab sie so wahnsinnig dafür bewundert, was für ein toller, stärker Mensch aus ihr geworden ist trotz diesem (mit Sicherheit sehr traumatischen) Erlebnis. Gibt schon arge Schicksale.
  • Kann mir vielleicht jemand sagen wie ihr so ein Schreiben aufgesetzt habt oder bzw war ihr rein geschrieben habt ? Ich bin da echt Planlos.. ich weiß das Gericht entscheidet am Ende aber mir und meinen Partner würde es besser gehen wenn wir so ein Schreiben hätten.. Wir machen doch sehr viel zusammen, fahren eigentlich immer nur gemeinsam irgendwo hin und so Also wäre es schon sehr naheliegend wenn etwas passiert das uns beiden gleichzeitig etwas passiert.. und wir würden halt auf gar keinen Fall wollen das unsere Tochter zu seinen Eltern oder meiner Mutter kommt ..
  • Puh gute Frage, ich wüsste nicht bei wem meine Kinder aufwachsen würden, wenn uns etwas passiert.
    Wenn ich an so eine Situation denke bekomme ich Panik da eigentlich niemand so wirklich geeignet ist in unserem Umfeld.
    Es gibt auch niemanden dem ich so 100 Prozent vertraue ehrlich gesagt.
  • TrawieTrawie

    248

    bearbeitet 6. 02. 2023, 18:47
    @Zimtschnecke1994 ich würde zum Notar oder Anwalt schauen und den das aufsetzen lassen. Vl gilt das dann eher als gewünschten Vorschlag, als wenn du das zuhause auf einen Zettel geschrieben hast. Aber ich weiß es leider nicht.
  • @Trawie Nein, das macht keinen Unterschied. Eine Juristin vom Jugendamt hat mir gesagt, ich kann mir das Geld sparen, weil das zählt auch nicht mehr als etwas handgeschriebenes. Hatte nämlich anfangs denselben Gedanken wie du 👍
    Sarah6
  • @winnie das ist gut zu wissen, ein Familienmitglied überlegt das nämlich gerade (also es notariell zu machen, weil sie wollen, dass das Kind zu uns kommt falls ihnen beiden was passieren sollte). Werd ihnen das sagen, dass das keinen Vorteil bringt.

    Mit meinem Mann habe ich dann erst über das Thema gesprochen, als wir das gefragt wurden. Bei uns ist aber eigentlich klar, dass meine Tochter zu meinen Eltern kommen würde. Sie sind 20 Jahre jünger als die Schwiemu (und zu zweit) und enge Bezugspersonen.
  • @eliane Die Juristin hat mir noch gesagt, man soll das am Besten zwei Mal schreiben und eine Ausfertigung denen geben, wo das Kind hinsoll. Damit die es haben zum Herzeigen im Ernstfall und nicht erst den Wisch in einer fremden Wohnung suchen müssen 👌
    eliane
  • @winnie danke! Wir haben das besprochen und sie werden das jetzt so machen. (Auf dass wirs nie brauchen! 🙏🏻 )
    winnie
  • Also wir haben uns Gedanken gemacht, innerlich meine Schwester auserkoren, wenn auch unzufriedenen mit der Lösung.... Geredet haben wir noch nicht mit ihr.

    @Nasty ich vermute die wahrscheinlichste Art und Weise wie ein Paar gemeinsam umkommt ist im Auto... Flug ist schon eine sehr sehr unwahrscheinliche Sache -auch wenn man fliegt...
  • Vaju schrieb: »
    @Nasty ich vermute die wahrscheinlichste Art und Weise wie ein Paar gemeinsam umkommt ist im Auto... Flug ist schon eine sehr sehr unwahrscheinliche Sache -auch wenn man fliegt...
    Genau das war der Grund für die Absicherung, sie sind - aufgrund ihres Wohnortes - oft mit dem Auto unterwegs und sie meinten es kann ja auch passieren, dass sie zu dritt verunglücken und Kind hinten überlebt. Das sind Szenarien an die man gar nicht denken will aber wenn man sich anschaut wie viele Autounfälle jährlich passieren...
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