Schlechte Bindung

Hallo!
Ich habe eine 2 jährige Tochter, bin alleinerziehend und habe ein ambivalentes Verhältnis zu ihr. An manchen Tagen schaut sie den ganzen Tag TV und ich beschäftige mich kaum mit ihr.
Ich habe oft Momente in denen ich einfach eine Pause von meinem Kind möchte und mir die dann auch nehme, weil niemand in meinem Umfeld auf sie aufpassen kann. Die Pause sieht dann so aus dass mein Kind eben versorgt wird von mir aber ich emotional nicht verfügbar bin.
Bereits in der SS hatte ich keine gute Bindung zu ihr. Ich war in einer schwierigen Lebenssituation und ihr Vater ging lieblos mit mir um, nutzte meine Hilflosigkeit aus. In der Schwangerschaft hatte ich kaum Unterstützung und lag 1 Monat im Krankenhaus (Risiko Frühgeburt). Ich habe viel geweint und hatte das Gefühl ein Fremdkörper im Bauch zu haben. Bis zum Schluss wollte ich mein Kind eigentlich nicht und wollte selbst die Wehenhemmer und co nicht nehmen. Als die Wehen einsetzten fand ich das so schlimm dass ich einen Kaiserschnitt wollte und den auch bekam. Nach der Geburt lag mein Kind auf der Frühchenstation und es gab alle 4h Wickel- und Fütterzeiten. Als ich mein Kind zum ersten Mal im Inkubator gesehen habe, habe ich total geweint. Und war gerührt. Ich war am Handy wenn meine Tochter geschlafen hatte und hatte eher Angst vor den Fütterzeiten. Denn ich hatte Angst sie zu wickeln und hochzunehmen. Dementsprechend war ich sehr langsam dabei und bekam Ärger von den Schwestern. Generell war es furchtbar und ich hatte überlegt mein Kind im Krankenhaus zurückzulassen und einfach zugehen. Denke nicht dass das für eine gute Bindung spricht.
Mit dem Stillen hatte es nicht geklappt und ich wollte auch keine Milch abpumpen, fand das total eklig. Auch in der Schwangerschaft habe ich mich eher vor dem dicken Bauch geekelt.
Ich war im Krankenhaus froh nicht mehr schwanger sein zu müssen und die Geburt hinter mir zu haben. Darüber habe ich mich am meisten gefreut. Auch habe ich mich im Krankenhaus stets unwohl gefühlt, konnte mit den Müttern dort nix anfangen.
Zu Hause angekommen ging es ambivalent weiter. Ich hatte für mein Baby weder sehr glückliche noch sehr negative Gefühle. Meine Tochter war als Baby pflegeleicht und ich habe einfach mein Ding gemacht, sie war eben überall dabei.
Wir hatten auch schöne Momente. Seitdem sie größer ist geht es mir psychisch schlechter und ich merke die Bindungsprobleme. Beispielsweise bin ich schnell genervt und gereizt. Und halte meine Tochter dann auf Abstand. Generell empfinde ich wenig Empathie für sie und sehe oft ihren Vater in ihr. Damit kann ich wenig anfangen. Manchmal habe ich das Gefühl dass sie nicht mein Kind und mir fremd ist. Wenn wir bei Freunden oder Familie sind, dann geht es aber alleine mit meiner Tochter Zeit verbringen zu müssen ist überwiegend schwierig für mich. Wir haben aber auch sehr sehr schöne Momente. Nur hat sie erst ab nächstes Jahr den Kitaplatz und ich sitze die Zeit mit ihr zu Hause nur noch ab. Sie schaut TV oder spielt allein und ich lese, lerne oder bin am Handy.
Ich habe das Gefühl irgendwas fehlt. Ich habe meine Tochter wohl lieb aber es fehlt etwas.
Die innige Bindung? Die Muttergefühle?
Ich habe kaum das Bedürfnis meine Tochter zu erziehen, ihr etwas beizubringen. Wir leben quasi nebeneinander her. Natürlich lese ich ihr auch mal vor oder gehe mit ihr auf den Spielplatz. Die meiste Zeit ist es aber schwierig.

Das Ganze führt auch dazu dass ich alles bereue oder mich dafür verurteile jemals mit ihrem Vater was gehabt zu haben. Ich fühle mich durch mein Kind auch eher ungeliebt weil ihr Vater mich respektlos und lieblos behandelt hat. Wenn ich meine Tochter dann so sehe fühle ich einfach nicht diese große Liebe. Manchmal habe ich aber schon das Gefühl dass sie das Beste wäre was ich habe usw Es ist wie gesagt ambivalent. Mal kann ich mich super auf sie einlassen, dann wieder nicht. Dies hängt nicht damit zusammen wie meine Tochter sich benimmt sondern eher mit meinen Gedanken. Ich habe seit der Geburt Stimmungsschwankungen. Hatte übrigens selber schwierige Eltern.
Kann man das mit Therapie in den Griff bekommen oder wird sich da nie was ändern?

Kommentare

  • "Dies hängt nicht damit zusammen wie meine Tochter sich benimmt sondern eher mit meinen Gedanken. Ich habe seit der Geburt Stimmungsschwankungen. Hatte übrigens selber schwierige Eltern.
    Kann man das mit Therapie in den Griff bekommen oder wird sich da nie was ändern?"

    Du beweist viel Mut, dass du diesen Schritt gehst, und hier deine Geschichte teilst, und um Hilfe bittest.

    Ich würde dir eine Therapie oder Beratung ans Herz legen, um deinetwillen und für deine Tochter.
    Du hast viel durchgemacht in letzter Zeit, da sind diese Ambivalenzen ihr gegenüber verständlich. Aber du schreibst, auch deine Eltern waren schwierig. Mit einer guten Therapie kann man sowas aufarbeiten.

    Auch den Hormon- und Mineralstoffspiegel kannst du bei deinem Arzt mal prüfen lassen, vielleicht hast du da seit der Geburt tatsächlich was im Ungleichgewicht.

    Du kannst jetzt schon Entlastung für dich schaffen, um mehr Ressourcen und Empathie für deine Tochter aufbringen zu können. Es gibt Stellen wie zB Caritas oder Frühe Hilfen,... Oder vielleicht fällt dir aus deinem Umfeld noch jemand ein, der auch für deine Tochter eine verlässliche Bezugsperson werden kann. (Nachbarn, Verwandte, Freunde, eine Tagesmutter...)

    Und so geht es jeder Mama:
    "Mal kann ich mich super auf sie einlassen, dann wieder nicht." Darum ist die eigene Verfassung so wichtig, und das ist etwas woran du ansetzen kannst. Damit es dir emotional besser geht.
    weißröckchenxolixo
  • Mit deinen Zeilen bricht du vielen Müttern das Herz 🥺

    Das hat kein Kind verdient so behandelt zu werden

    Ein Kind braucht Fürsorge, Liebe, Wärme, Nähe, Zeit und Geborgenheit damit es sich gut entwickelt.

    Such dir bitte heute noch Hilfe!! Da gehört dringend gehandelt
    riczKFPMimi1997mydreamcametrueSonne34Antina92
  • Hätte jetzt auf einen Troll getippt.

    Was soll man dazu sagen?
  • @Nasty das wäre "schön" wenn's so wäre, aber muss nicht sein 😢

    @Rewi222 bitte suche dir sofort Hilfe! Das kann mit Therapien, Begleitung etc ganz bestimmt besser werden!
    Aus welcher Gegend bist du, vielleicht kann jemand was konkretes empfehlen?

    Es gibt zB die flexiblen Hilfen der Caritas, meine Schwester arbeitet dort. Da bekommst du Hilfe zur Selbsthilfe für deinen Alltag und den Umgang mit Kind. Zusätzlich wird eine Therapie für dich nötig sein, um mit deinen Gefühlen zurecht zu kommen.

    Deine Geschichte klingt jetzt schon wie die Erzählungen aus dem Thread "Wenn die eigene Mutter nervt" und ja, das bricht einen das Herz!!
    Alles Gute für dich und das kleine Menschlein 💝🍀
    weißröckchenJuKaSt
  • Auch wenn es möglich ist, finde ich es jetzt sehr unfair, ihr zu unterstellen ein Troll zu sein. Hört sich für mich nach einer unbehandelten postpartalen Depression an und oder regreting motherhood. Beides sicher auch nicht klass für die Thread Erstellerin. Und immerhin erkennt sie ja spät aber doch ein Problem zu haben und versucht Hilfe zu finden.

    @Rewi222 gewisse von dir im Krankenhaus geschilderte Situationen kann ich nachempfinden. Ich war damals auch an einer postpartalen Depression erkrankt. Mir ging's so schlecht, dass ich mir gleich Hilfe gesucht habe. Mit Medikamenten und Gesprächstherapie habe ich das Ganze aber zum Glück recht schnell überwunden. Bitte suche dir dahingehend ebenfalls Hilfe (Psychiater, Psychotherapie). Dann ist es auch für euch noch nicht zu spät. Alles Gute 🍀
    Sarah6JuKaStAn22whataboutmesosoNemi
  • Also nur weil sich das vielleicht viele nicht vorstellen können, soll es ein Troll sein? Es wird um Hilfe gebeten und nicht wer will mein Kind? Ob es anderen Müttern das Herz bricht? Glaubt ihr die beschriebene Situation ist bewusst so?ich finde es wirklich toll, diesen ersten Schritt zur Hilfe zu suchen, es niederzuschreiben! Ich hab ein super Umfeld (inklusive Mann der sich um die Kinder kümmert) und trotzdem fühle ich manchmal ansatzweise ähnlich! Ich hatte nach den Geburten nie dieses Hoch, sondern wusste eher, dass ich mich aus Pflichtbewusstsein um die Kinder kümmern muss. Dieses das Kind vom ersten Moment an lieben kenne ich nicht und kenne einige, denen es auch so ergangen ist - aber wenn man es laut sagt wird man oft schief angesehen!

    Ich würde dir aber wirklich eine Therapie beim Psychologen empfehlen, eventuell auch Beratung in einer Mutter Kind Anlaufstelle und wie schon erwähnt die Hormone anschauen lassen!

    Alles Gute!
    kastanie91weißröckchenitchifymiramiSarah6melly210JuKaStLila2022An22whataboutmeund 1 anderer.
  • Hallo @Rewi222 !

    Ich kann deine Gefühle nachvollziehen und was du brauchst ist Verständnis und keine Vorwürfe. Du bist keinem was schuldig, außer deinem Kind und darum kümmerst du dich nun.
    Ich glaub sogar, dass es mehrere Eltern gibt, denen es so geht.

    Dass dir das Problem bewusst ist, ist schon ein großer Schritt. Natürlich wär es hilfreich, wenn du schnell Hilfe durch eine/n Psychotherapeut/in bekommst. Und trotzdem darf man sich davon nicht zu viel versprechen. Ich bin seit der Geburt (und davor schon) in Begleitung einer Therapeutin und trotzdem ists oft noch schwer.

    Hast du Familienmitglieder, bei denen du ein gutes Gefühl hast? Ich würd mich unbedingt mit jemand zusammen tun, dem ich vertrauen kann. Bei mir war es meine Schwester und sie würd mein Kind mit Sicherheit jederzeit bei sich aufnehmen. Diese Gewissheit, ein Fangnetz zu haben, hilft mir sehr.

    Alles Gute dir 🍀
    JuKaStAn22whataboutme
  • Ich kann leider nicht ähnliches zu deiner Situation berichten. Aber ich kenne das Gefühl, eines Fremdkörpers während der Schwangerschaft. Auch ich hatte während der Schwangerschaft dieses Gefühl wie belagert zu sein und keine Bindung zu meinem Kind zu haben. Ich litt an einer Schwangerschafts-Depression. Freute mich zwar, wenn mein Sohn sich bewegte aber mehr auch nicht. In dieser Zeit suchte ich mir Hilfe in Wien im Nanaya - hier gibt es eine kostenlose GEsprächsrunde zum Thema "Mutterglück?" sowohl während der Ss als auch danach. Es hat mir sehr gut getan zu hören, dass andere Mütter ähnliches erleben und es half mir die Zeit durchzustehen, denn auch mein Partner hatte wenig Verständnis für das was in mir vorging (vor allem deswegen, weil wir aber erst nach der Geburt erfuhren, was eigentlich genau los war).

    Ich kann deine Erlebnisse nach der Geburt nicht nachempfinden. Aber ich kenne was du beschreibst aus der Sicht des Kindes, denn so wie du erzählst, bin ich bei meiner Alleinerziehenden Mutter groß geworden.
    Ich würde mir wirklich sehr wünschen und dir empfehlen, dass du dir Psychologische Betreuung holst. Erstmal für dich und später für eure Familienbeziehung. Was ich aus meiner Kindheit mich erinnern kann, ist sehr sehr schmerzhaft und wird mich meine ganzes Leben begleiten und prägen. Meine Mutter war ähnlich und hat in meiner ganzen Kindheit nicht einmal mit mir gespielt (nicht, dass ich mich erinnern würde). Später, als ich dann richtung Jugendliche ging, wurde es besser, dann versuchte sie eine "Freundschaftsbasis" aufzubauen. Aber Rückblickend kann ich sagen, dass da wenig ZUneigung und Liebe seitens meiner Mutter kam und Mütterliche Gefühle schon gar nicht. Eher habe ich das GEfühl, ich war störend, eine Belastung und nervig.
    Hilfreich war ich nur durch meine bedingungslose Liebe zu ihr, die man als Kind nunmal für seine Mutter hat und mit der man sie überschüttet. Aber das hört halt auch irgendwann auf.
    Meine mutter hatte es ähnlich, vor anderen war sie die tolle Mutter und hat mich geliebt, alleine war ich überflüssig. Wir haben nicht einmal in meiner ganzen Kindheit wie eine Familie am Tisch zu abend gegessen und uns erzählt wie der Tag war... wir haben JEDEN TAG vor dem Fernsehr zu abend gegessen, nachdem meine Mutter den ganzen Tag arbeiten war.
    Und auch das thema mein Vater war ein großes...nicht nur hat sie die Beziehung von außen gestört und manipuliert... sie hat auch häufig Dinge wie "du bist wie dein Vater" genutzt. Sie hätte, und ds wünsche ich mir für dich auch, einfach die SChwierigkeiten mit meinem Vater aufräumen sollen - für sich - und mich da raus halten. Denn ich kann nichts dafür wer meine Eltern sind, aber ich muss mich definitiv nicht schuldig fühlen, dafür wie er auszusehen oder ein wenig zu sein. Solche Sätze sind schwerwiegender als man glauben mag!!!

    Ich hoffe sehr, dass du dir Hilfe suchst und diese Dinge aufräumst, denn meine Mutter hat es nicht getan. Es ist garantiert nicht unnötig Unterstützung zu suchen und zumindest die eigene Kindheit aufzuräumen. Im Anschluss kann man an der Familien-Beziehung arbeiten.

    Wünsche dir alles Gute!
    riczReyhaniaMohnblume88JuKaStAn22Oceanholic
  • Liebe @Rewi222

    es tut mir leid für dich, dass du so empfindest. Es muss schlimm sein - für dich, aber auch für deine Tochter, die im übrigen nichts dafür kann, auf der Welt zu sein.
    Du hast viel aufzuarbeiten, suche dir professionelle Hilfe und Unterstützung in deiner Nähe, damit du eine wundervolle Beziehung zu deiner Tochter aufbauen kannst. Sie hat es verdient und du hast es verdient!!!!
    Spiegel dein Kind nicht in ihrem Vater. (Leider ist mir ähnliches mit meinen Eltern in der Kindheit passiert. Es beschäftigt mich heute noch…)
    Das ist unfair und hat sie nicht verdient. Sie ist ein eigenständiger Mensch, der von dir erzogen und gelenkt wird.
    Du kannst die Bindung positiv beeinflussen, indem du dir Hilfe sucht. Tu es dir und deiner Tochter zuliebe. Es wird sich auszahlen! Ihr Beide gegen den Rest der Welt!
    Alles Liebe 💕
    JuKaSt
  • @Rewi222 Für mich klingt das nach postpartaler Depression, die kann auch schon während der Schwangerschaft beginnen.

    Bist du aus Wien?

    Du bist auf alle Fälle nicht alleine und ja, Hilfe brauchst du. Das du hier schreibst, zeigt auch das du sie auch suchst und das ist auch gut so.
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