Fehlgeburten – und warum wir mehr Mitgefühl brauchen

Hallo ihr Lieben,

ich möchte etwas loswerden. Und ich möchte dabei niemanden verunsichern – vor allem nicht diejenigen von euch, die gerade ihr erstes Kind erwarten. Das ist wundervoll! Es wird alles gut :)

Aber ich muss etwas teilen. Vielleicht hilft es, dieses Tabuthema ein Stückchen zu öffnen, damit wir uns besser begegnen und mehr Verständnis füreinander entwickeln.

Ich habe vor drei Jahren meine erste Tochter geboren. Die Schwangerschaft war wie im Bilderbuch. Sie ist heute ein wunderbares Mädchen.

Letztes Jahr haben wir entschieden, dass wir noch ein Kind möchten. Ich bin schnell wieder schwanger geworden und habe es direkt allen erzählt – wir sind vor Glück fast geplatzt.

Und dann, in der 6. Woche, ging ich zur ersten Kontrolle. Dort habe ich erfahren, dass das Herz nicht schlägt. Das war für mich ein tiefer Schlag, weil ich überhaupt nicht damit gerechnet hatte. Mir war zu diesem Zeitpunkt nicht bewusst, wie häufig Fehlgeburten tatsächlich sind.

Ich war sehr traurig und enttäuscht. Ich musste einen medikamentösen Abort machen. Es war sehr schmerzhaft. Danach kam noch dazu, dass die Gebärmutter nicht alles selbst ausgestoßen hat und ich später noch einmal Medikamente nehmen musste, um „frei zu werden“. Ich wollte es einfach hinter mich bringen – aber es hat sich sehr lange gezogen. Irgendwann war es dann vorbei.

Ein halbes Jahr später waren wir psychisch wieder so weit. Und ich bin erneut schwanger geworden. Diesmal waren wir viel skeptischer, aber wir haben uns trotzdem vorsichtig gefreut.

Der erste Ultraschall war positiv, und mein Baby hatte bereits Herzschläge.

In der 11. Woche habe ich dann erfahren, dass es tot ist. Ich sage bewusst „tot“, weil es für mich da schon Leben war.

Ich hatte bereits Blutungen und habe mich zuerst entschieden, zu Hause abzuwarten. Ich hatte jedoch sehr starke Schmerzen und war hypoton, deshalb hat mich die Rettung geholt.

Im Krankenhaus bekam ich wieder Tabletten für die Abtreibung und ging anschließend nach Hause. Ich hatte aber weiterhin starke Schmerzen. Die Tabletten lösten keinen Abort aus, und ich spürte nur, wie der ganze Fruchtsack mit dem Baby „unten hing“.

Ich ging wieder ins Krankenhaus. Bei der Untersuchung ist der Fruchtsack herausgefallen. Die Ärzte haben große Augen gemacht, als ihnen bewusst wurde, dass ich gerade in diesem Moment einen Abort hatte. Der Fruchtsack war so groß wie eine Mango, und ich konnte ihn sehen. Das war unendlich traurig. Die Ärztin war sachlich: "Brauchen Sie Schmerzmittel für zuhause?"

Diese zwei Erfahrungen wurden leider auch von uneinfühlsamen und unwissenden Menschen begleitet. Viele – auch in meiner Familie – machten „unabsichtlich“ Bemerkungen wie:

„Das war bestimmt wegen dem Sport.“
„Du hast ja letztens xy gegessen.“
„Du hast dich nicht genug um dich gekümmert.“

Auch andere Mütter, die selbst keine Fehlgeburt erlebt haben, versuchen mit solchen Kommentaren zu trösten. - Bitte macht das nicht.

Erstens: Es ist die Natur, die auswählt.
Und zweitens: Was bringt es, einer Frau zusätzlich Schuldgefühle zu machen?

Es gab auch Menschen, die das komplett ignoriert haben.

Bei meiner zweiten Fehlgeburt hatte ich zusätzlich eine Mittelohrentzündung. Ich war beim Arzt mit akuten Schmerzen – direkt nach der Abtreibung im Krankenhaus. Ich sagte an der Rezeption (bei weiblichen Rezeptionistinnen):

„Bitte, ich habe starke Schmerzen. Mir geht es nicht gut. Ich habe gerade eine Fehlgeburt erlitten, und wenn Sie die Möglichkeit haben, schieben Sie mich bitte vor. Ich blute sehr stark.“

Sie haben es nicht getan. Sie haben mich ignoriert. Als ich ein zweites Mal darum bat, meinten sie nur, sie hätten sehr viel zu tun. (Es waren vor mir keine akuten Patienten.)

Ich habe wegen meiner Ohrenentzündung zwischendurch auch den Ärztefunkdienst angerufen, weil ich nicht sicher war, wie ich die Medikamente dosieren soll. Zu dem Zeitpunkt dachte ich noch, dass ich schwanger bin. Sie schickten einen Arzt zu mir nach Hause.

Nachdem er mit meinem Ohr fertig war, fragte ich:
„Darf ich Sie noch etwas anderes fragen? Ich bin in der 11. Woche schwanger und habe unten leichte Blutungen.“

Der Arzt antwortete:
„Wo bluten Sie – auf Ihrem Zeh?“
Und begann zu lachen.

Heute geht es mir ein wenig besser (es sind 2 Tage her). Auch das zu schreiben tut es mir gut. Ich bin traurig aber positiv und verstehe, dass ich gewisse Dinge nicht in der Hand habe.

Ich wünsche mir nur, dass über dieses Thema offen gesprochen wird. Und dass wir Frauen, die so etwas erlebt haben, es nicht als „etwas ganz Normales“ abtun – sondern anerkennen, dass es traurig ist. Und dass jede Frau ihr eigenes Erlebnis betrauern darf. Dass wir über die Erlebisse und gefühle reden, vielleicht helfen die Erfahrungen den anderen?

Bitte seien wir mehr füreinander da.

Manchmal reicht es schon, einfach zu sagen:
„Das tut mir leid.“

Und wenn das ehrlich mitgefühlt ist, ist es das Beste, was man einer Frau geben kann, die gerade durch so eine Erfahrung geht.


Wenn du austausch brauchst, melde dich. Liebe Grüße, Karo
Oceanholicavellaelle2022

Kommentare

  • Hallo liebe Karo,

    zuerst tut es mir sehr leid, was dir widerfahren ist! Es macht mich echt teilweise wütend, wenn ich solche Geschichten lese, da man sich echt denkt "können Menschen wirklich so grausam sein???". Keine Frau der Welt hat das verdient & ich finde auch, dass solche Themen zu wenig angesprochen werden (weil es wohl unangenehm ist, aber solche Sprüche dann rauszulassen ist ganz normal...)
    Ich wünsche dir auf jeden Fall noch sehr viel Kraft und lass dich nicht wegen solchen Menschen unterkriegen! Ich weiß es ist leichter gesagt als getan aber wir sind starke Frauen & können so viel mehr als wir denken.
    Alles Gute wünsch ich dir & es wird alles gut werden! :blush:

    LG Irena
  • @Karo_K Du hast recht, manchen Menschen fehlt hier das Einfühlungsvermögen. Und gerade, weil wenig darüber geredet wird, können manche Leute garnicht mit dem Thema umgehen. Viele wissen nicht, wie sie unterstützen können oder machen unpassende Äußerungen.
    Aber wo soll man es lernen, wenn nicht darüber geredet wird?

    Ich wünsch dir/euch viel Kraft, Zeit zum Traurigsein und verständnisvolle und liebevolle Menschen in deiner Umgebung.
    Ich wünsche euch, dass in Zukunft alles so wird, wie ihr euch das selber auch wünscht. 🩹🍀
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