Hallo zusammen,
ich hätte nie gedacht, dass ich jemals zu so einer Community gehören würde. Ich möchte meine Geschichte teilen, weil ich weiß, dass ich damit nicht allein bin – und weil ich mir wünsche, dass Fehlgeburten, besonders Missed Abortions, nicht mehr verschwiegen werden.
Der Beginn unseres Kinderwunsches
Es begann alles mit einem harmlosem Besuch einer Mostkost im Juni 2025. Mein Freund, Ich, meine beste Freundin und ihr Freund waren dort und redeten viel. Dann kam plötzlich das Thema Kinder bekommen auf den Tisch. Meine Freundin ist damals 29 gewesen, ich 27 und sagte: „Naja, auf was warten mit den Kindern, man hat ja nichts zu verlieren“. Nach diesem unscheinbaren Treffen hatten mein Freund und ich noch ein sehr langes Gespräch und beschlossen die Pille abzusetzen. Ich nahm die Pille noch bis 24.Juni 2025, dann bekam ich meine Periode (27.Juni - 1.Juli). So begann die Wartezeit, wie sicher jeder von euch weiß macht man sich jeden Zyklus Hoffnungen, dass es geklappt hat. In dieser Zeit beschäftigte ich mich sehr viel mit Zyklusbeobachtung, Schwangerschaft usw.
Die erste Hoffnung
Die nächste Periode war von 4. August - 8.August und dann noch mal von 29.August - 2.September. Es war alles normal, natürlich hatte ich wieder die Hoffnung. Am 17. September war ich in der Arbeit, doch plötzlich spürte ich einen Schmerz. Er war nur kurz da und kehrte ab und zu noch zurück, ich sagte noch zu meiner Kollegin: „Heute ist ein komischer Tag“ und merkte mir das Datum. Von 21. September bis 28.September war ich mit meiner Mama auf Urlaub. Wir genossen diese Woche und ich merkte auch nichts ungewöhnliches. Jedoch sollte ich um den 26. meine Periode bekommen, die kam aber nicht. Ich war dann davon überzeugt, dass ich schwanger war und freute mich. Als wir heim kamen machte ich natürlich gleich einen Test, der war jedoch zu meiner Überraschung negativ. Die Periode kam nicht und am 4.Oktober sah ich mir den Test noch einmal an, da war dann plötzlich eine zweite Linie. Zur Sicherheit machte ich dann noch einen, der dann auch positiv war.
Die freudige Überraschung
Mein Freude war riesig und ich malte mir aus wie ich es meinem Freund und meiner Familie sage. Ich wollte mit dem sagen noch 4 Tage warten, da ich mit meinem Freund da auf Urlaub gefahren bin, aber am 5.Oktober hatte mein Onkel seine Geburtstagsfeier und da waren sehr viele kleine Kinder. Wie dann ein kleines Mädchen unbedingt zu meinem Freund wollte und ich ihn so gesehen habe, überreichte ich ihm zu Hause meine Überraschungsbox (Ein Body, ein Papa Handbuch, der positive Test und ein Herz mit „Du wirst Papa“ drauf). Er war total überrascht, dass es so schnell klappte und unsere Freude war riesig. Wir redeten nur mehr über das Baby wie es sein wird usw. Als meine beste Freundin am 6.Oktober mit ihrem Freund zu Besuch war fragte sie scherzhaft: „Und tut sich sonst noch was? Heiraten? Kinder?“ Daraufhin schaute ich meinen Freund an und lächelte, sie kapierte es sofort und freute sich sehr für mich.
Der erste Arzttermin
Ich rief dann meinen Frauenarzt an wie es weiter geht. Dieser teilte mir mit, dass ich erst in der 11 SSW kommen brauche da die Untersuchungen vorher nicht von der Krankenkasse bezahlt werden. Den Termin hatte ich dann erst am 12. November. Die Zeit bis dorthin verging sehr langsam. Mir war nicht schlecht, aber meine Brüste spannten sehr und ich konnte teilweise nicht schlafen, ansonsten war ich sehr fit und hatte nie Schmerzen. In der 9 SSW sah ich zufällig ein Video von einer Missed Abortion, bis dahin hab ich noch nie davon gehört. Ich fand das richtig schlimm und sagte zu meinem Freund : „Was wenn das bei uns ist?“ Er beruhigte mich und meinte ich soll nicht so negativ sein.
Die schlimme Diagnose
Dann war endlich der 12.November! Es wusste schon meine Familie, die meines Freundes, meine Chefin und eine Arbeitskollegin. Wir waren noch frühstücken und fuhren dann zum Arzt. Mir wurde der Mutterpass überreicht, ich konnte es kaum fassen und freute mich schon nach dem Termin meine erweiterte Familie zu informieren. Dann wurde ich gewogen, Blutdruck gemessen usw. Dann waren wir beim Doktor, er fragt kurz wie es mir geht und wollte dann zuerst mal nachsehen. Er fing an zu schallen und ich sah ein kleines Wesen und konnte es kaum fassen, doch dann schallte er wieder woanders und nochmal dorthin, da war mir sofort klar, dass etwas nicht stimmt. „Das ist leider nicht in Ordnung“ sagte er. Meine Welt brach zusammen, ab dann ging alles schnell. Er erklärte, dass das Herz in der 8 SSW zu schlagen aufgehört hat und der Fötus seither nicht mehr gewachsen ist und dass ich jetzt die Schwangerschaft beenden muss. Wenn ich dieses Video in der 9 SSW nicht gesehen hätte, hätte ich keine Ahnung gehabt was jetzt vorgeht. Er sagte die beste Möglichkeit wäre es medikamentös zu beenden, dass wäre auch meine Wahl gewesen. Wir fuhren gleich darauf ins Krankenhaus, ich konnte nicht mehr zu weinen aufhören. Dort warteten wir dann, ich habe keine Ahnung wie viel Zeit vergangen ist. Dann mussten sie noch einmal nachschauen, ob sich mein nicht vertan hat. 2 weitere Ärzte schallten noch einmal und bestätigten die Missed Abortion. Die Ärzte waren alle sehr lieb, die eine sagte zu meinem Freund „Weißt du, was deine Aufgabe jetzt ist? Ganz viel Blumen und Süßigkeiten!“. Ich bekam dann vor Ort die erste Tablette und die anderen musste ich mir in der Apotheke holen. Wir fuhren dann dorthin, ich weinte immer noch. Dann holten wir noch Binden, da ich normalerweise eine Menstruationstasse verwende kenne ich mich mit Binden nicht aus. Ich stand in diesem Geschäft vor den Binden und dachte mir: „Ich will keine Binden kaufen, sondern ein Kind bekommen“. Mein Freund musste bezahlen, weil ich weinend hinausrannte.
Der medikamentöse Abbruch
Am nächsten Tag musste ich dann um 12:00 2 Tabletten nehmen. Meine Eltern waren zu dieser Zeit auf Urlaub und mein Freund wollte in die Sonne, ich sagte er kann ruhig fahren, so war ich alleine. Um 12:00 aß ich eine Kleinigkeit, hörte mir einen passenden Song an, sah mir das Ultraschallbild an, weinte und nahm die Tabletten. Um 16:00 waren die nächsten 2 Tabletten dran um 16:30 begannen dann die Blutungen. Es war zuerst nicht mit Schmerzen verbunden, im Krankenhaus wurden mir Schmerzmittel verschrieben, aber ich wollte den Schmerz fühlen, also nahm ich nichts ein. Um 20:00 als ich dann das letzte Mal 2 Tabletten nehmen musste ging es aber dann richtig los, ich musste alle 7 Minuten zur Toilette und es kam ein Schwall Blut, so ging es bis 00:30. Das war kein Spaß, da es wehenartige Krämpfe waren. Ich blutete dann bis 20. November durchgehend. 2 Wochen war ich krankgeschrieben und ich blieb auch zu Hause, obwohl ich zur Ablenkung wieder arbeiten wollte. Mein Freund und meine beste Freundin waren in dieser schweren Zeit die einzigen die mich fragten wie es mir geht und mir auch wirklich zuhörten. Das Schlimmste für mich ist, dass sonst keiner gefragt hat es war, wie wenn nie etwas gewesen wäre. In der Arbeit musste ich einfach wieder funktionieren. Es wussten ja auch nur 2 Personen, aber ich habe mir erwartet von ihnen Unterstützung zu bekommen. Von meiner Familie fragt auch niemand nach.
Nachwirkungen
Heute, zwei Monate später, merke ich, dass der Schmerz nicht einfach verschwindet. Er kommt in Wellen – manchmal leise, manchmal überwältigend. Besonders schwer ist für mich das Schweigen danach. Dass kaum jemand fragt, wie es mir geht, als wäre nie etwas gewesen.
Ich teile meine Geschichte, weil ich weiß, dass ich damit nicht allein bin – und weil ich mir wünsche, dass Fehlgeburten, besonders Missed Abortions, nicht mehr verschwiegen werden. Der Wunsch nach einem Kind endet nicht mit einem positiven Test, und er verschwindet auch nicht mit einem Verlust.
Wenn du das hier liest und Ähnliches erlebt hast: Du bist nicht allein. Dein Schmerz ist real, und er darf da sein. Und vielleicht hilft es, darüber zu sprechen – auch wenn es nur anonym ist.
Kommentare
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Ich hab selber nach einer Komplikationslosen Schwangerschaft danach zwei sehr frühe Abgänge erlebt. Und es war schrecklich und etwas was ich mir nie gedacht hätte.
Jetzt bin ich in der 31. Woche und hab immer noch Angst, also verschwinden wird die Angst nie. Aber ich glaube an das gute und bin mir sicher das alles im Leben aus einem Grund passiert und vielleicht auch das passieren musste weil es uns eine spätere schwere Entscheidung abgenommen hat.
Ich drück euch ganz fest die Daumen
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Eine Freundin lieh mir nach meiner FG im Sommer ein Buch, darin war ein Absatz der mir soviel Kraft und Trost gegeben hat ♥️
Ich erzähle im Umfeld ganz offen davon das wir ein Baby verloren haben - ich bin wieder schwanger, schon in der 19. Woche und nicht von dieser Seele zu erzählen, während ich von dem Baby das in mir wächst zu erzählen fühlt sich falsch an.
Die Angst und Sorge ist immer da, sie wird vielleicht mlt der Zeit ein bisschen leiser.
Du und dein Partner dürft trauern. Und du darfst in deinem Umfeld davon erzählen. Vielen Menschen ist es unangenehm mit Schmerz und Verlust umzugehen, darum schweigen sie diese Dinge oft aus.
Ich wünsch dir von Herzen alles Gute und das eure kleine Seele zu euch zurück findet wenn ihr bereit seid ♥️🌈
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Mich hat auch keiner darauf angesprochen (es haben alle aus der Familie gewusst und enge Freunde). Aber ich denke, keiner wusste wie er damit umgehen soll und quasi besser nix sagen, als was falsches sagen.
Aber ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht.
Am Anfang hab ich schon darüber gesprochen, als es frisch war, danach eigentlich nicht mehr.
Das erste Jahr war schwer, überall hab ich nur Babys gesehen und war dann traurig. Aber es wurde leichter mit der Zeit. Am errechneten Geburtstermin war es wieder sehr schwer, weil ich da eigentlich mein kleines Baby in den Armen halten hätte können.
Danach wurde es besser.
Fehlgeburten zB bei Filmen oder Serien zu sehen ist nach wie vor schwer oder wenn man erfährt, dass aus dem Umfeld jemand betroffen ist.
Es ist jetzt 10 Jahre her und es tut nicht mehr weh, man denkt auch nicht mehr so oft daran.
Aber man vergisst nie, es tut nur nicht mehr weh.
In der nächsten Schwangerschaft war ich dann bis zur 13. SSW sehr ängstlich, aber so geht es wohl jeder in derselben Situation.
Und mein kleines Wunder liegt gerade neben mir und will nicht schlafen 😊
Ich wünsche dir alles Gute und wenn du darüber reden willst, dann tu es, wenn nicht, dann ist es auch ok. Die Leute sagen nur nix, weil sie nichts falsches sagen wollen.
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Ich wusste, dass die Möglichkeit besteht und es oft vorkommt, aber dass es einen selber trifft, nun ja, das ist nochmal was ganz anderes. Aber auch in meinem Umfeld kenne ich viele, die eine oder mehrere FG hatten 😓Ich habe auch sehr offen darüber gesprochen, ich finde es eine Unart, nicht darüber zu sprechen. Vor allem gehört das Thema enttabuisiert. Viele Frauen verunsichert so ein Erlebnis, es ist generell schon hart genug. Da sollten zumindest Frauen ehrlich miteinander sein und darüber reden, um andere zu unterstützen.
Weil du schreibst, dass dich besonders da Schweigen danach trifft, bzw. dass keiner fragt wie es dir geht… Ich kann mir vorstellen, dass Leute, die so etwas noch nicht erlebt haben nicht wissen, wie sie dir begegnen sollen, um dich nicht zu verletzen,… um nicht ins Fettnäpfchen zu treten, um dich nicht traurig zu stimmen… vl wissen sie selbst nicht, wie sie dem Thema begegnen sollen… Ehrlich über deine Gefühle zu sprechen ist sicher am besten!
Ich hatte dann Anfang März 25 eine Kürettage unter Vollnarkose, weil ich nichts davon mitbekommen wollte.
Im Juni hielt ich erneut einen positiven Test in den Händen. Bin jetzt in der 34 SSW. Erst wenn das Kind gesund auf der Welt ist, hat man es geschafft, davor schwingt immer ein bisschen Angst mit.
Alles Gute für den nächsten Versuch 💐
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Erstmal tuts mir sehr leid für euch, dass ihr diese Erfahrungen machen musstet.
Ich selber bin nicht Betroffene und ehrlich gesagt, ich hab lange nicht gewusst, wie wichtig es jemanden sein kann, darüber zu sprechen. Aus meiner Sicht ist es oft immer noch schwer, was ich dazu sagen oder fragen soll. Oder ob ich mir den Tag merken sollte, wo jemand ET gehabt hätte oder der Tag wo es zu den Sternen reiste. Will man drauf angesprochen werden an diesem Tag?
Für mich ist es ein medizinisches/biologisches Thema und daher tuts mir immer sehr leid, wenn Frauen das Gefühl haben, sie hätten versagt oder Schuld an dem Verlauf. Das schwingt wohl unbewusst immer noch mit, auch in unserer aufgeklärten Generation.
Ich weiß aber mittlerweile, dass das nicht-vergessen-werden Bedürfnis groß sein kann. Sogar meine Schwiegermutter zählt ihre zwei Sternenkinder auf, wenn sie von den vier lebenden Kindern erzählt und das ist mind. 45 Jahre her.
Sie war eine der Ersten in ihrem Umfeld, die aufgestanden ist und nicht still schweigend die Schuld auf sich geladen hat. Sie hat am Friedhof eine Gedenkstätte errichtet, die sie nach wie vor pflegt, hier kann jede Familie ihre Sterne verewigen lassen.
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Meine 2. SS endete als MA in der 11. SSW, Entwicklungsstopp in der 9. SSW. Wir freuten uns, dass es im 1. Üz gleich geklappt hat. Ein Tag nach dem pos SS-Test hielt ich den pos Corona-Test in der Hand und hatte ein schlechtes Gefühl. In der 7. SSW dann die 1. Untersuchung, die Gyn konnte Fruchthöhle und Dottersack finden, keinen Embryo und bestellte mich in einer Woche nochmal ein, bereitete mich darauf vor, dass es von selbst abgehen könnte, nicht weiter wachsen oder ein Herzschlag da sein werde. Nach dieser schrecklichen Woche war ich dort und der Herzschlag war da. Anmeldung im KH, Hebi gesucht, vorbereitet. In der 11. SSW dann der US und der Satz: „Da ist leider kein Herzschlag mehr! Ziehen Sie sich an, wir müssen reden!“
Sie hat mir eine ÜW ins KH gegeben und einen medikamentösen Abbruch empfohlen. Im KH waren sie superlieb und rücksichtsvoll. Ganz am Anfang sagte die Gyn: „Es ist nicht Ihre Schuld. Das passiert und Sie haben es nicht in der Hand!“ Geweint hab ich erst am Tag der stillen Geburt und die Tage danach. Die Hormone sind eben auch zusätzlich krass. Meine Hausärztin (die mir danach die Rhesus-Spritze gab und krank geschrieben hat) hat mir erzählt, dass ihre 2. SS auch eine MA war. Jetzt hat die 2 erwachsene Söhne… Das war sehr tröstlich für mich.
Ich kenne auch viele, die eine Fehlgeburt hatten. In meinem Umfeld wird das nicht tabuisiert. Auf die schnelle fallen mir 11 Mamas ein. Bis auf eine haben alle mittlerweile Kinder.
Unser Regenbogenbaby ist nun knapp 7 Monate alt. Den ersten pos Test hielt ich am vET vom Sternchen in der Hand. Ich schau Zwergi oft an und denke mir, dass dieses zauberhafte Wesen jetzt nur hier ist, weil das Sternchen nicht geblieben ist.
Ich weiß nicht, in welchem Bundesland du wohnst, aber in Wien gibt es zB Stellen, an die man sich wenden kann. Zur Trauerhilfe als auch bei erneuter SS und damit verbundenen Ängsten. Vielleicht gibts das in anderen BLs auch.
Ich wünsche dir abschließend, dass du bald dein Regenbogenbaby unter dem Herzen und dann auf dem Arm trägst!