Kindererziehung mit psychischer Störung

bearbeitet 25. April, 10:59 in Entwicklung & Erziehung
Hallo zusammen!

Ich bin neu hier beim Baby Forum habe aber gleich eine Frage, die ich hier noch nicht diskuttiert gefunden habe.

Meine Exfrau und ich haben eine bald 3 jährige Tochter und im Zuge eines kinderpsychologischen Sachverständigen-Gutachtens wurde nun in meiner Exfrau eine Persönlichkeitsstörung gefunden die rechtlich ihre Erziehungsfähigkeit gänzlich aberkennt.

Bei mir wurden allerdings auch psychische Defizite festgestellt die in Richtung Hypomanie gehen, allerdings wurde bei mir nichts Diagnostiziert und es ist auch die Frage ob da wirklich etwas ist.

Meine Vermutung und Hoffnun ist nun dass das Gericht sich dazu entscheiden wird unsere Kleine dennoch in meine Betreuung zu geben, habe ich mir aber die Frage gestellt, wie man Kinder denn überhaupt mit einer psychischen Störung erziehen kann? Wo kann man hier eingeschränkt sein bzw. auch wo kann man denn noch Erziehungskompetenzen besitzen die auch anerkennenswert sind. Was ist der Grad der entscheidet ob das Wohl des Kindes denn bei dem einen oder dem anderen Elternteil nun besser aufgehoben ist oder gar bei Pflegeeltern.

Ich sehe das als ein ziemliches Dilemma um ehrlich zu sein.

Kommentare

  • Hallo @Zehigel
    Wie ist eure Erfahrung mit der Kinder-und Jugendhilfe? Die Kinder-und Jugendhilfe sollte euch helfen herauszufinden, was das Beste für euer Kind ist.
    Ich kann gut verstehen, dass du dir Sorgen machst und in einem Dilemma bist.
    Mit der richtigen Unterstützung kann man ein Kind auch mit psychischer Krankheit versorgen, aber das kommt natürlich auf die Gesamtsituation an.

    Wer hat bei dir die Hypomanie festgestellt, wenn diese nicht diagnostiziert wurde?
  • Hallo Zehigel,

    zunächst möchte ich dir sagen, dass allein deine Art über diese Angelegenheit nachzudenken und mit einer solch durchdachten, fürsorglichen Frage ins Forum zu kommen zeigt, dass dir sehr viel an deinem Kind liegt. Hut ab für so viel Mut. Es ist bestimmt nicht leicht, sich fremden Menschen mit diesem Thema zu öffnen weil es wahrscheinlich enorm viele Vorurteile und sofortiges Schubladendenken gibt.

    Ich habe selbst absolut keine Erfahrung mit dem Thema psychische Störung. Ich behaupte aber, mich sehr viel mit dem Thema Erziehung auseinandergesetzt zu haben. Was ich dir sagen kann ist: Ob ein Kind bei einem Elternteil gut aufgehoben ist und gut gedeiht, muss nicht unbedingt etwas mit dem psychischen Zustand der Eltern zu tun haben. Also klar, es gibt psychische Störungen die einfach nicht damit vereinbar sind, sich um einen anderen Menschen zu kümmern aber dazu möchte ich kein Urteil abgeben weil ich mich mit psychischen Störungen nicht auskenne und wir dazu hier auch viel zu wenig Einblick und Info über die genaue Störung haben.

    Ich gebe dir zwei willkürliche Beispiele:
    Mama A: wohnt in einem schicken Vorot-Viertel von Wien. Kommt aus "gutem Haus", es war immer viel Geld da, wurde auf gute Schulen geschickt, fährt ein teures Auto. Wurde mit strenger Hand und immer auf Erfolg gedrillt erzogen. Ihr Kind ist ihr ein und alles und doch soll es auch ein gewisses Benehmen an den Tag legen - was sollen denn die Nachbarn sonst denken. Das Kind wird älter und entwickelt einen eigenen Will. Kann und mag plötzlich nicht mehr so, wie die Mutter das gern hätte. Die Mutter vermisst ihr Lotter-leben vor Kind. Wird immer öfter laut und ist genervt. Der Vater nie daheim weil immer am Arbeiten. Die Freundinnen erzählen immer nur, wie toll alles ist. Sie fühlt sich allein und unverstanden. Hat das Gefühl, sie kann sich niemandem anvertrauen. Die einsamen Abende verbringt sie alleine vor dem Handy und sieht dort die Instagram-Mums die ebenfalls alles immer perfekt hinbekommen zu scheinen. Wenn sie mit dem Kind unterwegs ist, schaut sie auf ihr Handy als zu spielen. Ist scheinbar ständig mit anderen Dingen beschäftigt als dem Kind Zuwendung, Liebe und Aufmerksamkeit zu geben. Dafür wird es früh in die Frühförderung geschickt - es soll ja was aus dem Kind werden.

    Mama B: lebt in einer einfachen 2-Zimmer Wohnung, ist alleinerziehent. Geld ist immer knapp aber es reicht um zu leben. Große Anschaffungen sind aber nicht drin. Für sie ist es ok, Hauptsache sie und ihr Kind sind gesund. Das Kind geht 5 Tage die Woche früh in Fremdbetreuung wo es von liebevollen Personen ausgezeichnet betreut wird. Es fühlt sich dort wohl und entwickelt sich prächtig. Die Mama verbringt jede freie Minute mit ihrem Kind. Obwohl sie selbst keine schöne Kindheit hatte und sie zu Hause permanent abgewertet und oft auch vernachlässigt wurde versucht sie stark, dieses Verhalten nicht zu wiederholen. Arbeitet an sich, bildest sich in dem Bereich weiter, liest Bücher darüber wie man seine Vergangenheit hinter sich lassen kann.

    Was ich dir damit sagen will: eine psychische Störung heißt nicht, dass man sich nicht um sein Kind kümmern kann. Oder das man keine "Erziehungskompetenz" besitzt - die besitzen wir im Grunde sowieso alle nicht. Es ist ein "learning by doing" und man macht Fehler und kommt drauf, dass man blödsinn gemacht hat und macht es beim nächsten Mal anders. So funktionieren wir Menschen. Es gibt kein Patentrezept dafür wer "gute Eltern" sind. Wir können alle nur unser Bestmögliches geben. Jeden Tag aufs Neue.

    Wenn die physischen (Essen, ein warmes zu Hause, was zum Anziehen, Körperhygiene) und psychischen Bedürfnisse des Kindes (Nähe, Zuwendung, Liebe, Fürsorge) erfüllt sind, dann gibt es keinen Grund einem Elternteil das Kind wegzunehmen. Wie es rechtlich ist, mit einem psychsichen Gutachten weiß ich natürlich nicht.
    Ersteres, also ob die physischen Bedürfnisse erfüllt sind, wird das Jugendamt in dem Fall wahrscheinlich kontrollieren und das lässt sich ja meist feststellen, ob das Kind in diesem Punkt gut versorgt ist oder nicht. Die psychische Gesundheit der Kinder ist natürlich nicht ganz so einfach festzustellen aber geht natürlich von einem geschulten Auge auch.

    Nachdem diese Frage so im Raum steht gehe ich davon aus, dass sich herausgestellt hat, dass euer Kind bei deiner Exfrau nicht gut aufgehoben ist (wodurch auch immer).

    Die Frage ist also nicht nur, kannst du dem Kind ein sicheres zu Hause geben sondern, fühlst du dich auch dem Alltag mit einem Kind gewachsen? Kannst du dem Kind Liebe, Zuwendung, Stabilität, (emotionale) Sicherheit geben und zwar nicht nur die nächsten 3 Monate sondern sein ganzes Leben lang? Kannst du dich den täglichen Herausforderungen des Eltern-seins als (wahrscheinlich?) alleinerziehender Vater stellen? Fühlst DU dich dem psychisch gewachsen?

    So oder so würde ich mich auch an das Jugendamt wenden. Die sind ja auch dazu da um herauszufinden, was das Beste für das Kind ist. Vielleicht kannst du dir da mal einen Beratungstermin machen und mit jemandem darüber sprechen.

    Ich wünsche dir alles erdenklich Gute!
    ZehigelElWi1
  • Ich möchte nur sagen das ich das kein Thema für ein Forum finde.
    Das sollten wirklich Profis in die Hand nehmen.

    Psychische Störung ist ein Begriff der alles oder nichts bedeuten kann.
    Könnte das Kind in Gefahr sein? Und wenn es nur ein Aussetzer im Jahr ist könnte das sehr schief gehen.

    Bitte sprich dem Kind zu liebe mit Profis.
    Du hast als Vater auf jedenfall ein recht dein Kind zu sehen. Was für das Kind besser ist sollten wirkluch Fachleute entscheiden.
    Alles Gute
    ReyhaniawölfinMamaLamamelly210Zehigel
  • @nasty danke! Du sprichst mir aus der Seele!

    Auch von mir alles Gute und geh bitte zu professioneller Beratung.
  • @Nasty @Reyhania
    Ich sehe das anders. Ich denke dieses Thema sollte Platz haben. Dieses Forum ersetzt keine Fachmeinung, aber ist das nicht in anderen Bereichen auch so, wo hier um Meinungen bzw. Erfahrung bzgl. ZB. Schwangerschaft, Geburt, Kinderkrankheiten ect. geredet wird?
    Zehigelbehappy
  • Ich arbeite zufällig in genau diesem Bereich.
    Ich betreue/begleite Menschen mit psychischer Erkrankung bzw. mit Beeinträchtigung, die ein Baby erwarten oder bereits ein Baby/Kleinkind haben und aufgrund ihrer Defizite in Gefahr laufen das Sorgerecht zu verlieren.

    Gemeinsam mit Mama/Papa, Psychologen und der Kinder- und Jugendhilfe wird nach dem besten Weg für das Kind gesucht. Manchmal ist die beste Lösung eine Pflegefamilie, jedoch gibt es auch Mutter/Vater-Kind projekte, die Unterstützung anbieten.

    Es gibt kaum Ansprechpartner oder Anlaufstellen für dieses Thema.

    Ich bin beruflich auch umgekehrt mit dem Thema konfrontiert wenn ein Baby mit Behinderung einen Dauerpflegeplatz braucht, den es de facto leider kaum gibt (selten wollen Pflegeeltern ein Baby mit Behinderung/Herzerkrankung ect. aufnehmen)...

    Daher finde ich persönlich diese Diskussion interessant. Es ist ein Tabuthema in unserer Gesellschaft das meiner Ansicht nach mehr angesprochen werden sollte.
    Es geht hier um ein Dilemma und um Meinungen.
    Zehigel
  • @Papaya super, dann ist wenigstens wer mit Fachwissen da um zu helfen! Das ist toll! Wenn man wirklich die Erfahrung aus erster Hand und Ausbildung dazu hat finde ich es auch toll, dass man hier weiter hilft! Danke 😊
    Papaya
  • @Papaya finds auch super, dass du hier Experte bist und mit kompetenter Auskunft vielleicht ein bisschen weiterhelfen kannst.

    Ansonsten ist es schon nicht ganz ohne, das in einem Forum zu besprechen. Also nicht, dass das Thema an sich nicht angesprochen werden soll, überhaupt nicht!
    Aber richtig weiterhelfen kann halt nur Fachpersonal und nicht jeder willkürliche User, nur weil er vielleicht ein paar Erziehungsratgeber gelesen hat 🙈
    ZehigelPapaya
  • NastyNasty

    10,710

    bearbeitet 25. April, 14:05
    @Papaya ich möchte dir Deine Kompetenzen nicht absprechen.

    Ich möchte nur nicht für etwas verantwortlich sein das man so aus der Ferne überhaupt nicht beurteilen kann.
    Gerade Du solltest wissen das Menschen mit bestimmten psychischen Erkrankungen sehr manipulativ sein können. Eine Diagnose wurde hier nicht genannt.

    Psychische Störung ist so ein weitreichender Begriff. Meine ehemalige Schwägerin gehört auch zu dieser Personengruppe. Bipolare Störung, Schizophrenie- Oberbegriff : Psychische Störung.
    Wenn sie ihre Medikamente nimmt ist alles gut. Sie kann Mama sein.
    Aber falls mal wieder nicht wegen einer Einbildung die sie quält, kann sowohl ihr leben als auch das des Sohnes bedroht sein.
    Von jetzt auf gleich.

    Hier also meine Erfahrung zu dem Thema.

    Ich weiss leider auch das man sich oft falsch einschätzt als Betroffene/r.

    Ich finde es auch nicht falsch es anzusprechen, im gegenteil. Aber mMn sollte das Fachpersonal beurteilen der die Familie kennt. Schreiben kann man ja viel.
    Ich finds auch toll vom threadersteller
    das er sich gedanken macht. Versteh mich also nicht falsch. Will da nix schlecht reden.

    Mich irritiert aber auch das die Diagnose der Mutter über einen Kinderpsychiater gestellt wurde. Die Mutter muss da ja selbst zu Erwachsenenexperten gehen. ???

    Das ist mir persönlich a Nummer zu gefährlich.
  • @ricz Wie du sagst reichen Erziehungsratgeber für eine fachliche Meinung nicht aus. Gefällt mir übrigens, wie du das formuliert hast. 😆

    In einem Forum kommen immer auch viele persönliche Meinungen zusammen.
    Auch wenn das Forum nicht aus Experten besteht können schon allein die Hinweise auf die richtigen Beratungsstellen sehr hilfreich sein.
    riczReyhania
  • @Nasty Hat deine Schwägerin trotz der schweren Erkrankung das Sorgerecht für ihr Kind?
    Das wundert mich wenn die Gefahr so groß ist, dass sie ihr Leben oder das ihres Sohnes gefährdet. 😳
  • @Papaya nein, nur eingeschränktes Sorgerecht. Oder Besuchsrecht? Also unter Aufsicht. (Sie lebt bei
    Ihrer Mutter)
    Der Bub lebt bei meinem Bruder und ist gelegentlich bei ihr. Nicht über Nacht.

    Ich weiß deshalb auch wie "normal" die Erkrankten nach aussen scheinen können.
    Bis zu einem gewissen Punkt halt.
    Daher trau ich gelesenem noch weniger, wenn es schon persönlich oft schwer zu erkennen ist.

    Für mich als Laie jedenfalls.
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