Lindsay Clancy - Wer verfolgt‘s und was ist eure Meinung dazu?

Schuldig oder unschuldig?
Ich bin sehr hin und her gerissen und bin froh nicht in der Jury zu sein.

Wie denkt ihr wird die Jury entscheiden? Wie würdet ihr entscheiden und warum?
ccaramelinha

Kommentare

  • Das ganze erinnert mich etwas an den Fall Marybeth Tinning, sie wurde damals als Serienmörderin zu lebenslang verurteilt.
    Ich bin froh über solche Fälle nicht urteilen zu müssen und würde mich niemals auf eine Seite stellen, weder unterstützend noch urteilend.
    Ein Psychiater, der das gelernt hat darf hierzu seine Meinung äußern.
  • @Cappuccino Das ist ja gerade das schwierige an dem Fall. Auch alle Psychiater und Mental Health Professionisten sind sich uneins, ob sie an einer Psychose litt oder nicht, ob sie wusste was sie tat oder nicht, etc etc etc.
    Die Jury ist ja auch zusammengewürfelt und besteht nicht aus Experten. Und trotzdem müssen sie über ihr Urteil entscheiden.
    Im Endeffekt Menschen wie du und ich. Ob Psychiater oder nicht.
  • Ich finde diese Schauprozesse aus den USA mehr als bedenklich, immer schon. Die Öffentlichkeit urteilt mit, das ist unter aller Sau, aber halt leider etwas das für die USA typisch ist. Die haben ein komplett anderes Verständnis von Gerichtsbarkeit als wir. Ich hab mir eine ausführliche Recherche dazu angehört. Sie hatte seit Jahren postnatale Schwierigkeiten (vor allem wohl Angstzustände und später depressive Episoden). Sie hat sehr vieles davon aufgeschrieben. Gleichzeitig hat sie nach außen alles gegeben - und sich vermutlich permanent selbst überfordert. Es scheint so gewesen zu sein, dass sie den allergrößten Teil der Care Arbeit und des mental loads trug - das is viel bei drei Kindern. Sie war in psychiatrische und therapeutischer Behandlung und hat Medikamente verschrieben bekommen. Anfang Jänner war sie ein paar Tage stationär in einer Klinik wegen schweren Angstzuständen und Depression. Schon klar dass sie sich selbst entlassen hat, trotzdem ist ihr Mann nur ca. eine Woche später mit einem der Kinder auf Skiurlaub gefahren und hat sie alleine gelassen. Am Schluss des Prozesses wurde ein gerichtlich bestellter Sachverständiger (Psychiater) gehört. Der hat schon viele Begutachtungen gemacht, und eben auch schon zu Feliziden. Er hat sehr klar gesagt, dass sie nicht in einem klaren Geisteszustand war. Vermutlich schon lange psychotisch bzw. immer kurz davor und gerade noch "abgefangen" - für einen Menschen der so sehr alles richtig machen will typisch. Sie hat aktiv nach Hilfe gesucht und gefragt, sie hat von ihren beängstigenden Gedanken den Kindern gegenüber anderen erzählt. Und trotzdem hat man sie allein gelassen. Ich sehe da keine berechnende Mördern sondern eine Frau, die schwer psychisch erkrankt ist. Es ist extrem tragisch, aber ich denke sie gehört nicht eingesperrt. In Österreich gäbe es dafür den Maßnahmenvollzug - in den USA gibt es so etwas wohl auch, allerdings kenne ich da die Bedingungen nicht. Auch hier gab es schon solche Fälle, beispielsweise erst letztes Jahr: eine Mutter hat ihren 4jährigen Sohn während einer Psychose getötet, extrem tragisch. In einem souveränen Rechtsstaat wird so etwas aber sachlich verhandelt, ohne Kamerabegleitung und moralisches Aufspielen.
  • @Luthiena Ja es ist wirklich tragisch, die Frau hat alles versucht, ihren Gesundheitszustand zu verbessern.
    Wirklich wild die ganze Geschichte.
    Luthiena
  • Ich les grad zum ersten Mal davon, kann und will mir daher kein Urteil erlauben.
    Was ich aber durchaus kenne, ist, wie hilflos und ohnmächtig sich Mütter fühlen können. Wenn wir ehrlich sind - grad zB Schlafmangel - wer oder was hilft dir da wirklich, wenn man bis dahin auch niemanden hatte? Im Grunde genommen hilft dir auf Dauer einfach niemand nachhaltig. Mich wundert es also nicht, dass es zu solchen Reaktionen kommt, ob nun psychotisch oder nicht.

    Eine Freundin hat sich letztes Jahr das Leben genommen, 2 Wochen nach ihrer ersten Geburt. Ohne vorher psychisch labil gewesen zu sein und ohne, dass nur ansatzweise jemand was bemerkt hätte.
    Ich bin der Meinung, wir müssen viel mehr auf uns gegenseitig schauen. Auch wenn die Möglichkeiten begrenzt sind. Gesehen zu werden im Sumpf des Unglücks ist manchmal schon das wichtigste 🫂
    LuthienasummerberryThessiwölfin
  • Mohnblume88 schrieb: »
    Ich les grad zum ersten Mal davon, kann und will mir daher kein Urteil erlauben.
    Was ich aber durchaus kenne, ist, wie hilflos und ohnmächtig sich Mütter fühlen können. Wenn wir ehrlich sind - grad zB Schlafmangel - wer oder was hilft dir da wirklich, wenn man bis dahin auch niemanden hatte? Im Grunde genommen hilft dir auf Dauer einfach niemand nachhaltig. Mich wundert es also nicht, dass es zu solchen Reaktionen kommt, ob nun psychotisch oder nicht.

    Eine Freundin hat sich letztes Jahr das Leben genommen, 2 Wochen nach ihrer ersten Geburt. Ohne vorher psychisch labil gewesen zu sein und ohne, dass nur ansatzweise jemand was bemerkt hätte.
    Ich bin der Meinung, wir müssen viel mehr auf uns gegenseitig schauen. Auch wenn die Möglichkeiten begrenzt sind. Gesehen zu werden im Sumpf des Unglücks ist manchmal schon das wichtigste 🫂

    O Gott, das tut mir sehr leid. Fühl dich gedrückt!
    Mohnblume88
  • Oceanholic schrieb: »
    Schuldig oder unschuldig?
    Ich bin sehr hin und her gerissen und bin froh nicht in der Jury zu sein.

    Wie denkt ihr wird die Jury entscheiden? Wie würdet ihr entscheiden und warum?

    Ich kannte die Geschichte bis heute auch nicht. Sehr, sehr schlimm. Ich weiß nicht, ich glaube ehrlich gesagt, dass keine Mutter, die ihre Kinder tötet, psychisch gesund sein kann. Ob Psychose oder was anderes. Das ginge ja völlig gegen die Natur. Wir wissen ja alle, wie hart der Mental Load mit drei Kindern sein kann. Man will alles richtig und gut machen, das ist für eine Person alleine einfach nicht zu stemmen.

    Gefühlsmäßig empfinde ich für diese Frau Mitleid. Ich glaube, dass solche Taten immer daraus erwachsen, dass die Personen keine Hilfe bekommen. Ich will hier nicht von Schuld oder Unschuld sprechen. Das sind konstruierte Begriffe, die subjektiv zu verwenden sind. Wann ist man "schuldfähig", wann nicht? Das sind auch nur juristische Begriffe, die irgendjemand nach eigenem Ermessen definiert. Inwieweit können wir was für unser Wesen, wofür ist unsere eigene Kindheit (also unsere Eltern) verantwortlich, wie viel können wir selbst beeinflussen? Da gibt es wohl verschiedene Antworten.

    Das sind so schwierige und schwammige Situationen, da bin ich froh, keine Entscheidung treffen zu müssen. Wichtig wäre es, mehr für die Prävention zu tun. Mütter sollten nicht so leicht in schlimme Situationen geraten, aus denen sie nicht mehr rauskommen. Psychisch Kranke brauchen viel mehr Unterstützung, mehr Kassenplätze, kürzere Wartezeiten, mehr Akzeptanz. Die Frage ist immer: Wie konnte es so weit kommen? Schuldzuweisungen bringen keinem was. Ich denke, die Frau ist gestraft für ihr Leben. Ich sehe das so ähnlich wie bei Amokläufen - alle hacken ein paar Tage auf den bösen, bösen Täter ein, dann werden noch die Waffen verteufelt, die nur eine Nebenrolle spielen... Aber die Politik schaut sich nie an, was im Vorfeld alles passiert ist, warum es die Menschen zu diesen Taten treibt.
    Oceanholic
  • Ich habe auch eine Freundin die nach Geburt ihrer Tochter erkrankt ist und sich 7 Monate später das Leben nahm. Das Thema postnatale Depression ist leider noch immer viel zu wenig thematisiert bzw. erforscht.

    Ich verfolge den Fall sehr genau, sehe mir auch den Großteil des Prozesses an.
    Mittlerweile gibt es ja sehr viele Ungereimtheiten ob sie es überhaupt war.

    An sämtlichen tatwaffen ist die DNA des Mannes aber nicht ihre. Ihr Mann ist 4 Monate nach der Tat mit einer neuen Frau zusammen gekommen die er mittlerweile geheiratet und ein Kind bekommen hat. Die Frau lebt in NYC - dorthin hat er öfters Reisen unternommen während Lindsay krank war. Er hat das Haus kurz nach der Tat an einen der leitenden Beamten (einer seiner Freunde) verkauft. Und er hat mit der gofundme Page und dem hausverkauf über 1 Million Dollar verdient.

    Der Prozess gegen Lindsay beruht darauf, dass er aussagte, dass sie als er sie auffand alles gestanden hat - mehrere Ärzte haben aber bestätigt, dass sie aufgrund ihrer Verletzungen gar nicht in der Lage war zu sprechen, und sie hat es seitdem auch niemals gestanden und keine Erinnerung daran.
    Und dann gibt es noch die Sache mit ihrer Apple Watch die erst Wochen später gefunden wurde und die nie aufzüchtete, dass Lindsay in den Keller ging (wo die Kinder getötet wurden).

    Mir tut die Frau leid. Der ganze Fall ist ein Abbild davon, wie sich viele Männer komplett aus der Erziehung und dem mental load herausziehen und ihr Leben weiter leben während die Frauen untergehen. Unter dem Deckmantel des Geld Verdieners. Patrick hat übrigens zu 100% im Home Office gearbeitet und hat trotzdem nichts beigetragen.

    Es ist egal wie die Jury entscheidet - das Leben der Frau ist für immer zerstört. Ich bin gespannt ob es gegen ihn einen Prozess geben wird.
    OceanholicsummerberryMarle
  • Nach allem was bis jetzt bekannt ist wäre der (in Österreich) "logische" Schluss Freispruch mit Zwangseinweisung in eine psychiatrische Anstalt.

    Allerdings sind diese Jurys unberrechenbar.
  • @BabyMama25: das ist ja extrem spannend, was du da schreibst mit den ganzen Ungereimtheiten und wie es dann auch mit dem Mann weiter ging … also ist ja gar nicht klar, ob nicht vielleicht er es war? 🤷‍♀️🙈

    Ich habs bis dato gar nicht mitbekommen und hab mich nur gestern kurz eingelesen, es ist einfach furchtbar die ganze Geschichte 😞
  • wölfinwölfin

    6,903

    bearbeitet 27. August, 19:05
    Ich find's furchtbar und tragisch und auch schlimm, wie arg das medial und vor allem in social media ausgeschlachtet wird. So ein Prozess sollte meiner Meinung nach unter Ausschluss der Öffentlichkeit gemacht werden, vor allem im Sinne der Opfer und der Angehörigen. Die Frau ist Opfer und Täterin zugleich. Sie hat aktiv nach Hilfe gesucht, Medikamente bekommen und nicht die Hilfe, die sie und die Kinder gebraucht hätten.
    Die Rolle ihres Ex-Mannes in der Sache ist auch fragwürdig. Aber ich weiß nicht, was rund um den Prozess wahr und was Verschwörungstheorie ist.

    Wenn der Fall mehr Bewusstsein für postpartale Depression bringt, wäre das ja ein positiver Aspekt. Ich habe aber den Eindruck, v.a. in den USA spaltet sich da die Gesellschaft in Unterstützer von Lindsay, die sie verstehen und als Opfer sehen und Leuten, die sie als kaltblütige Mörderin sehen, die ihren Mann womöglich bewusst einkaufen geschickt haben soll um in der Zwischenzeit die Kinder zu ermorden. Letzteres halte ich persönlich für unwahrscheinlich. Aber ob sie Psychosen hatte, die sie dazu getrieben haben, kann denke ich keiner, auch nicht die ganzen Gutachter, sicher bestätigen oder ausschließlich. Psychisch gesund war/ist sie jedenfalls nicht.
    Egal ob Freispruch oder nicht, frei wird sie nie wieder sein.
    Oceanholic
  • Lindsay Clancy hat nie bestritten, dass sie die Taten körperlich ausgeführt hat. Es geht im Prozess ausschließlich um ihren psychischen Zustand (Schuldunfähigkeit durch postpartale Psychose), nicht darum, wer die Tat begangen hat. Die Schuld auf den Ehemann zu schieben, ignoriert alle Beweise, Geständnisse und medizinischen Gutachten.
    Oceanholic
  • Nein es gibt kein Geständnis. Sie kann sich an die Tat nicht erinnern // erinnert sich an eine männliche Stimme die sie dazu gedrängt hat (könnte ihr Mann sein; sie hatte ja auch einen ziemlichen medizinischen Cocktail intus, teilweise zerstampfte Tabletten im Getränk gehabt - gibt schon eine schiefe Optik mMn)
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