Unsere Erfahrung mit der Helmtherapie


Hallo liebe Mamas und Papas!

Ich dachte mir, ich schreibe einmal einen Beitrag zum Thema Helmtherapie, da wir aktuell selbst davon betroffen sind und der letzte Beitrag im Forum bereits einige Jahre her ist. Vielleicht hilft unsere Geschichte ja auch anderen Eltern. Falls jemand Fragen hat oder sich austauschen möchte, könnt ihr euch gerne bei mir melden. 😊
Bei unserem kleinen Sohn fiel unserer Hebamme schon sehr früh auf, dass er seinen Kopf fast ausschließlich auf einer Seite ablegte. Wir sprachen das bei unserer Kinderärztin an und begannen zunächst mit Cranio-Sacral-Therapie. In der Therapie wurden allgemeine Verspannungen gelöst, aber auf die Kopfhaltung wirkte sie sich wenig aus.

Beim nächsten Arzttermin stellte die Kinderärztin fest, dass der Kopf bereits deutlich asymmetrisch geworden war. Mit freiem Auge konnte man eine einseitige Abflachung erkennen. Sie überwies uns deshalb zu einem Spezialisten nach Wien.
Dort wurde der Kopf vermessen: zwischen den Schädeldiagonalen wurde eine Differenz von 1,5 cm gemessen und bereits ein Ear Shift, also eine Verschiebung des Ohres, erkannt. Zu diesem Zeitpunkt war unser Sohn noch keine drei Monate alt. Der Arzt erklärte uns, dass wir mit der Helmanfertigung noch etwas warten müssten, bis er seinen Kopf selbstständig halten kann.
In der Zwischenzeit versuchte ich, einen Platz für Physiotherapie zu organisieren. Das war gar nicht so einfach, aber mit etwas Glück bekamen wir mit ein bisschen Wartezeit einen Termin bei einer auf Babys spezialisierten Physiotherapeutin.

Die Zeit bis zur Helmanfertigung war für mich emotional herausfordernd. Ich machte mir viele Gedanken: Wie wird mein Sohn den Helm akzeptieren? Werden ihn alle anstarren? Wird ihn der Helm stören? Vor dem unausgesprochenen Mitleid, das man aber in den Gesichtern der Menschen ablesen konnte, fürchtete ich mich am meisten.

Nach einigen Tagen konnte ich die Situation aber aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Mir wurde bewusst, dass der Helm unserem Sohn hilft, einen symmetrischen Kopf zu bekommen und langfristig auch gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. So konnte ich mich positiv gestimmt auf den Helm einlassen.

Wir entschieden uns für einen Helm von Cranioform und waren mit der Betreuung rundum zufrieden. Die Mitarbeiterinnen nahmen sich viel Zeit, erklärten alles ausführlich und beantworteten jede unserer Fragen sehr einfühlsam.

Nach dem 3D-Scan mussten wir etwa zehn Tage auf den fertigen Helm warten. Beim ersten Termin wurde der Helm aufgesetzt und wir sollten damit zwei Stunden spazieren gehen. Anschließend wurde kontrolliert, ob Druckstellen entstanden waren. Der Helm wurde noch etwas nachgeschliffen und wir bekamen eine ausführliche Anleitung für Zuhause mit.
Zum Glück hatte unser Sohn auch im späteren Verlauf nie Druckstellen (Stand 4,5 Monate).

Bei Problemen gibt es die Möglichkeit, jederzeit Fotos an Cranioform zu schicken und so rasche Unterstützung zu bekommen. Einmal hatte ich das Gefühl, dass der Helm zu klein geworden war und wir bekamen einen Termin innerhalb einer Stunde. Das gibt ein zusätzliches gutes Gefühl, wenn man weiß, dass die Fachleute die Sorgen ernst nehmen und man dann auch noch einen schnellen Termin bekommt.

Etwa alle zwei Wochen fanden dann Kontrolltermine statt. Dort wurde der Kopf erneut vermessen, der Helm bei Bedarf angepasst und wir konnten jederzeit Fragen stellen.

Unser Sohn bekam seinen Helm Anfang Juli – ausgerechnet während einer Hitzewelle mit bis zu 38 °C. Natürlich schwitzte er darunter deutlich mehr. Uns wurde empfohlen, ihn möglichst nur mit Windel zu bekleiden, damit ihm nicht zusätzlich warm wird. Das hat für uns gut funktioniert.

Entgegen all meiner Sorgen störte ihn der Helm überhaupt nicht. Er trägt ihn 23 Stunden am Tag. In der täglichen helmfreien Stunde reinigen wir den Helm und baden unseren Sohn.

Anfangs war das Aufsetzen des Helms etwas schwierig, weil ein dreieinhalb Monate altes Baby natürlich noch nicht selbst sitzen kann. Es wurde uns aber genau gezeigt, wie man das auch alleine gut schafft. Nach wenigen Tagen war das bereits Routine.

Der erste Tag mit Helm war für mich schon schwierig. Das kleine Gesicht mit dem großen weißen Helm zu sehen, keine Stirnbussis mehr zu geben und beim Kuscheln etwas eingeschränkt zu sein, kostete mir ein paar Tränen. Mittlerweile ist der Helm aber so normal geworden - ich bin beinahe verwundert, wenn ich mein Kind ohne Helm sehe, da etwas fehlt 😅

Trotz der hohen Temperaturen begann der Helm bei uns nie unangenehm zu riechen oder sich zu verfärben.
Es ist auch erlaubt, den Helm mit Stickern zu verzieren 🤩. Dadurch wirkte er viel freundlicher und persönlicher.

Im Alltag sind uns natürlich viele Blicke begegnet. Besonders auf größeren Veranstaltungen, wie zum Beispiel einem Feuerwehrfest, merkt man schnell, dass viele Menschen schauen.
Ich freute mich über jeden einzelnen, der uns fragte, wieso unser Sohn einen Helm trägt. So konnte ich erklären, warum unser Sohn den Helm trägt, Missverständnisse ausräumen und vielleicht auch ein Stück weit zur Normalisierung der Helmtherapie beitragen. Das empfand ich als deutlich angenehmer, als nur angestarrt zu werden. Ich bin froh, dass unser Sohn diese Blicke selbst noch nicht bewusst wahrnimmt.

Besonders wichtig war für uns die Physiotherapie. Dort stellte die Therapeutin fest, dass unser Sohn aufgrund einer Verspannung im Bereich des ersten Halswirbels seinen Kopf nicht gut in beide Richtungen drehen konnte. Bereits nach einer Behandlung war diese Blockade gelöst! Seitdem bewegt er seinen Kopf frei in beide Richtungen und auch die Bauchlage fällt ihm viel leichter.

Zusätzlich achteten wir seit Beginn der Cranio-Sacral-Therapie konsequent auf eine abwechslungsreiche Lagerung. Ich bin überzeugt, dass auch das den Therapieerfolg unterstützt hat.

Die Ergebnisse haben uns wirklich beeindruckt. Bereits nach zwei Wochen mit dem Helm hatte sich die Schädelasymmetrie von 1,5 cm auf 0,7 cm reduziert!

Mittlerweile trägt unser Sohn den Helm etwas länger als ein Monat. Mit freiem Auge erkennt man nur noch eine ganz leichte Asymmetrie und auch die Ohrverschiebung hat sich deutlich verbessert. Es ist unglaublich, wie viel sich in dieser kurzen Zeit verändert hat.

Rückblickend waren viele meiner Sorgen unbegründet. Unser Sohn kommt super mit dem Helm zurecht und die Fortschritte bestätigen uns jeden Tag darin, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Ich bin außerdem sehr froh, dass die Asymmetrie bereits so früh erkannt wurde. Ich bin überzeugt, dass der frühe Therapiebeginn wesentlich dazu beigetragen hat, dass sich sein Kopf so schnell und so gut entwickeln konnte.

Abschließend möchte ich natürlich noch erwähnen, dass die Helmtherapie bei jedem anders verläuft und wir ein Glück haben, dass es bei uns so überdurchschnittlich schnell geht!
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