Lieber alleinerziehend?

Ich überlege quasi schon das ganze Jahr, mich zu trennen, weil ich so enttäuscht von meinem Mann bin, seit wir ein Kind haben. Er hatte einen starken Kinderwunsch, ich wollte nie Kinder, da ich sicher war, dass es mich überfordern würde und ich wollte, dass mein Leben mir gehört. Wegen der Beziehung habe ich dann sehr intensiv nochmals darüber nachgedacht und mich nach Gesprächen mit ihm („wir machen alles 50/50“ sein Tonus) doch umentschieden. Wir standen da auch etwas unter Zeitdruck, weil ich schon 38 war. Wir haben letztlich recht früh in der Beziehung (nach drei Jahren oder so?) ein Kind bekommen.

Kurz gesagt, ich habe die komplette Verantwortung fürs Kind. Mein Mann war im ersten Jahr auch länger zu Hause, aber er hat eigentlich quasi sein Leben wie früher weitergelebt, nur mehr Haushalt, ich musste alle Versorgung des Babys irgendwie einfordern. Er schob das aufs Stillen. Keine Ahnung, warum ihn das zB vom Wickeln abhält… Ich fand ihn auch immer zu grob mit dem Baby, was ja so ein Klischee ist. Es zermürbt mich jeden Tag, dass er sich keine Gedanken übers Kind macht, sondern alles einfach so irgendwie. Gesunde Ernährung hängt an mir, er kocht immer nur Fleisch mit Reis. Er hängt ständig am Handy, ignoriert dann Kontaktversuche des Kindes. Es macht mich einfach nur noch wütend, dass ich mich so kaputtmache, um unserem Kind eine sichere Bindung und gesundes aufwachsen usw zu ermöglichen und er macht einfach irgendwie irgendwas. Und beschwert sich dann noch, dass wir kein Paar mehr sind.

Wenn er sich dem Kind widmet, macht er das eigentlich gut. Inzwischen ist das Kind auch alt genug (16 Monate) für seine etwas wilde Art. Das Kind mag auch vieles lieber mit ihm machen als mit mir, ich bin ja die blöde stressige Mama. Das nehme ich meinem Mann dann auch übel, dass ich in dieser Rolle bin, weil er sich so rauszieht.

Ich habe Angst, eine noch beschissenere Mutter zu sein, wenn ich mich trenne. Weil ich dann vielleicht noch überforderter bin, obwohl ja wenigstens die dauernden Streits wegfallen würden. Und vielleicht ist das alles ja auch gar kein Trennungsgrund, sondern ich bin das Problem und sollte mich mal locker machen. Andererseits weiß ich auch nicht, inwiefern ich meinem Kind einen Gefallen damit tue, „ihm zuliebe“ so ein unglückliches Leben zu führen.

Wir haben schon auch ganz okaye Tage, aber grundsätzlich haben mein Mann und ich eigentlich keine Gemeinsamkeiten. Insbesondere keine gemeinsamen Werte, worunter ich total leide. Ich habe seinen Kinderwunsch damals total falsch eingeschätzt, nämlich überbewertet. Es war von ihm ein sehr unreflektierter Wunsch nach Normalität. Er liebt unser Kind sehr, aber er hat auch so ein Denken, dass nicht wir fürs Kind da sind, sondern das Kind für uns. Auch im Alter so. Das ist eins von x problematischen kleinen Dingen, die wir unterschiedlich sehen.

Wir hatten eine Stunde Paartherapie. Die Therapeutin hat dann die Zusammenarbeit abgelehnt. Mein Mann meinte, sie hätte ihm signalisiert, dass nur ich Therapie bräuchte. Das war im Streit gesagt, aber er denkt das wirklich. Er denkt, ich spinne mit allem komplett und stelle mich an, andere würden alles locker hinkriegen und er mache schon mehr als andere. Ich fühle mich so verarscht und ausgebrannt.

Mein Kind tut mir so leid, dass ich so verantwortungslos und naiv war, es in diese Welt zu holen. Wir haben ein unglaublich unkompliziertes Kind, das gut schläft und sich total gut regulieren kann, und trotzdem ist es so, so schwer für mich. Ich habe wahnsinnige Angst, dass wir nicht gut genug sind, obwohl ich schon diese ganzen Nora Imlau Bücher gelesen hab. Jetzt lese ich artgerecht und könnte schon wo sie vom Wildkräuter Sammeln schreibt einen Nervenzusammenbruch kriegen.

Wir haben hier beide null Familie und Unterstützung, ich denke auch, so ist das alles nicht gedacht. Betreuung des Kindes durch andere möchte ich noch nicht. Ich möchte, dass mein Mann Verantwortung übernimmt. Aber er würde den Kleinen wirklich eher in die Krippe schicken. Oder ich soll halt voll arbeiten gehen und er bleibt zu Hause. Für mich ist das ein hirnrissiger Vorschlag, weil er ja eben gar keinen Überblick hat und sich über nichts informiert. Er macht manchmal Sachen mit dem Kind, die er auf Instagram gesehen hat - ohne Vorwarnung oder Kommunikation mit dem Kind darüber (zB plötzlich so Akrobatik). 🤪🫠

HILFE?? 😭
Oceanholic

Kommentare

  • Ich kann dir nicht sagen ob eine Trennung besser/schlechter für dich wär (ich glaub die endgültige Antwort kannst du eh nur selber finden).

    Ich kann dir berichten aus der Sicht einer Mama die nach einem Jahr wieder 30 Stunden arbeitet und der Papa zuhause die Bude schupft.
    Er macht vieles anders als ich, ist oft chaotisch, macht sich nicht annähernd soviele Gedanke um Essen, Beschäftigung etc wie ich aber liebt dieses Kind abgöttisch.
    Mittlerweile betreut er unser Kind seit fast einem Jahr und was soll ich sagen - die zwei haben ihren Weg gefunden und leben beide noch 😅🤣
    Er macht mehr an Hausarbeit, einfach weils ich nicht gerne mache und das Kind an mir klebt wenn ich daheim bin.

    Also nur Dinge anders machen ist an sich nicht schlimm, finde ich, die Grundwerte sollen aber die gleichen sein wie zB keine Gewalt, kein Schreien, Kompromisse finden, nicht immer nein sagen usw.

    Und zum Thema Therapie… was spricht dagegen das du alleine zur Therapie gehst? Vielleicht hilft es dir Klarheit zu finden in welche Richtung auch immer.
    Lulu98BirteFMarle
  • Es klingt ein bisschen wie bei mir damals, als unsere Tochter so alt war. Ich finds gut, dass du dir jetzt Gedanken machst, denn die anstehende Autonomiephase kann das Ganze nochmal mehr ins Wanken bringen. Zumindest war es bei mir so.

    Ich glaub es geht gar nicht unbedingt um die Frage, ob Trennung ja oder nein.

    Ich hatte bereits eine erfolgreiche Psychotherapie hinter mir und somit eine niedrige Hemmschwelle mich da auch bzgl. Erziehung, Mutterschaft usw. zu melden. Mit meiner Therapeutin fand ich schnell heraus, dass meine kindlichen Defizite es mir schwer machten, die Bedürfnisse meines Kindes zu ertragen. Das waren teilweise harmlose Situationen, aber in Summe fand ich mich komplett fehl am Platz, wollte weg und ja, ehrlich gesagt hab ich mein Kind damals bereut.
    Ich handelte aus einer Leere heraus und hoffte ständig auf Fülle. Hab teilweise die Tage einfach ertragen, gedacht „irgendwann wirds leichter“. Nur, dass es nicht von allein leichter wird.

    Ich hab mich dann dahinter geklemmt und an mir gearbeitet. Konnte Vieles nachholen (innere Kind Arbeit) und konnte mich meinem Partner gegenüber besser abgrenzen. Es hat ihn mit verändert, dass ich Grenzen gesetzt hab (hab das nie so konkret ausgesprochen, er änderte sich automatisch mit).

    Mittlerweile hab ich sogar ein zweites Kind u uns geht es sehr gut damit!

    BirteFoli
  • Ich schließe mich Lydia an ob eine Trennung deine Situation besser macht ist schwer zu sagen. Bei meiner Schwester hat es gut gepasst. Sie hat auch größtenteils alles gemacht was die Kinder betraf und auch im Haushalt. Dadurch sind auch die Gefühle für ihren Partner abhanden gekommen. Jtzt sind die Kinder jedes 2. Wochenende beim Vater, das heißt die große Verantwortung ist bei ihr geblieben aber der Konflikt ist für sie weg. Sie akzeptiert aber auch, dass ihr Ex die Freizeitgestaltung deutlich anders macht als sie es macht und auch wünschen würde. Es ist aber auch super anstrengend und sie hat Unterstützung (Großeltern, sehr gute Freundinnen). Ich glaub unabhängig ob Trennung oder nicht würde ich versuchen mir ein Netzwerk aufzubauen. Wenn du euer Kind nicht in eine Betreuungseinrichtung geben willst wäre vllt eine Leihoma oder etwas in die Richtung nicht schlecht. Jemand zu dem du auch Vertauen aufbauen kannst. Oder vllt. Freundinnen die auch kleine Kinder haben wo man sich gegenseitig unterstützen kann.
    Zudem würde ich aber nochmals mit deinem Partner reden und schauen ob ihr bei gewissen Themen Kompromisse finden könnt. Vllt kann er ja mit dem Kind z.b zum Eltern Kind Turnen gehn und bekommt dort Input was man aktives mit Kind machen kann. Bezüglich Essen habe ich bei meinem Mann „eingefordert“ dass er sich den ÖGK Ernährungskurs anhört, weil es mich auch geärgert hat, dass nur ich für ihr Essen zuständig war.
    Lulu98BirteF
  • Es macht mich immer bisschen zornig wenn ich mitkriege, dass es so vielen Frauen so ähnlich geht wie dir, nämlich dass das Ungleichgewicht zwischen Papa und Mama so groß ist. Du bist (leider) nicht allein und ich finde nicht, dass du dir irgendwelche Vorwürfe machen solltest.
    Ich finde mich auch in manchen deiner Aussagen wieder, bei mir war das erste Jahr mit Kind furchtbar. Jetzt läuft die Beziehung wieder gut. Wichtig waren bei uns die 2 Monate, wo er alleine in Karenz war. Da musste er lernen, was das Kind isst und welches Gewand es braucht etc. Es läuft natürlich anders als mit mir und man muss sich dann fragen, ob Dinge, die er anders macht, im Grunde egal sind oder man sie ansprechen soll. ZB es gibt mal ein ungesünderes Mittagessen - egal, nix sagen. Es gibt jeden Tag ungesundes Mittagessen - freundlich ansprechen.
    Dann habe ich auch gelernt, dass ich ganz deutlich sagen muss, was ich brauche. Ich sagte zB "ich bin so müde" und erwartete, dass er mir das Kind abnimmt und anbietet, dass ich mich hinlege. So lief es aber nicht. Ich muss sagen: "Nimm bitte das Kind, ich lege mich jetzt hin." Manche Männer stellen sich gerne blöd an und tun dann so, als wären sie ein großes Opfer weil sie mal was tun müssen (habe ich im Freundeskreis beobachtet), das würde ich ignorieren.
    Sobald die Kinder größer werden, macht das Spielen ja meistens mehr Spaß und ich denke, dass auch dein Partner dann lieber mit ihm spielt. Bei mir ist auch Papa für wildes Toben und Raufen zuständig, das passt auch so.
    Keine Ahnung, ob eure Beziehung besser wird, aber ich würde nichts überstürzen und zuerst die Kinderbetreuung fairer aufteilen. Denn bis dahin kann man nicht so klar denken finde ich. Manche Frauen freuen sich, weil sie nach der Trennung jedes zweite Wochenende einen Abend frei haben, das ist doch traurig. Man sollte auch in der Beziehung diese Freizeiten haben. Ich treffe mittlerweile regelmäßig Freunde abends auf ein paar Getränke oder ein Essen und es tut mir sehr gut. Da solltest du auch irgendwas regelmäßig einfordern was dir Spaß macht.
    Ich drücke die Daumen dass deine Situation bald besser wird!
    habmichgermBirteFOceanholic
  • Mir ging es genauso! Der Text hätte 1:1 von mir sein können.
    Habe gelesen, dass man sich in den ersten 3 Lebensjahren nicht trennen sollte, weil jeder seine Rolle erst finden muss und bei uns wurde es tatsächlich um den 3. Geburtstag viel besser.
    Ich war ein paar Einheiten alleine bei einer Therapeutin und hab ein paar Probleme besprochen, sie hat mir einen gänzlich anderen Blickwinkel auf Kind und Partner eröffnet und durch meine geänderte Sichtweise konnte ich mit beiden leichter und liebevoller umgehen.
    Ich würde dir raten sucht einen anderen Therapeut/in wenn die Dame nicht mit euch arbeiten will. Es bringt vielleicht schon 2,3 Stunden alleine Probleme mit jemandem externen zu besprechen oder natürlich den Partner dazuholen.

    Was spricht denn gegen Fremdbetreuung eures Kindes? Unseres kam in dem Alter in die Krabbelstube und ich konnte wieder zumindest 16h arbeiten und das tat mir extrem gut.

    Es wird wirklich besser je älter das Kind wird. Der Anfang ist wirklich hart und eine neue Situation.

    Wegen diesen Artgerecht Themen: am Anfang hab ich mir auch deshalb den Kopf zerbrochen und mir unglaublich viel Stress gemacht, irgendwann kann man es eh nicht mehr kontrollieren was das Kind isst. Sobald dein Kind im Kiga ist und Freunde hat wird sowieso am liebsten Pizza, Eis und Pommes essen wollen…
    BirteFOceanholic
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