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Smartes Kinderzimmer – Jetzt bekommen Babys eine virtuelle Nanny

Wie digitale Innovationen frischgebackene Eltern unterstützen können, das zeigt der Spielwarenhersteller Mattel. Dieser hat auf der Consumer Electronics Show 2017 in Las Vegas mit „Aristotle by Nabi“ ein Smart-Home-System fürs Kinderzimmer vorgestellt.

Ein digitales Kindermädchen

Im Familienalltag geht es oft hektisch zu, davon können Mama und Papa wohl ein Lied singen. Warum also nicht technische Errungenschaften nutzen, um sich das Leben ein wenig zu erleichtern? Mit Hilfe eines Babyphones überwachen wir den Schlaf der Kleinsten, Smartphone-Apps helfen uns, Aufgaben zu organisieren und Babymonitore sorgen dafür, dass wir den kleinen Schatz nicht aus den Augen verlieren, auch wenn wir uns in einem anderen Raum befinden.

Mattel ist nun einen Schritt weiter gegangen: der Spielwarenkonzern hat sich ein System ausgedacht, mit dem sowohl Eltern als auch Kinder interagieren können. Aristotle by Nabi ist sozusagen ein virtueller Assistent, der auf die Bedürfnisse von Babys und Kleinkindern reagiert und dabei auch permanent mit den Eltern in Verbindung steht. Genau genommen müssen wir von einer Assistentin sprechen, denn laut Mattel ist Aristotle weiblich.

Die Geschlechterfrage hätten wir also geklärt, wie kann man sich dieses Gerät nun vorstellen? Aristotle besteht aus zwei Teilen. Da wäre zum einen die Lautsprecherbox mit integriertem Licht, zum anderen eine Kamera, die Bilder in HD-Qualität aufnehmen kann. Zusätzlich gibt es natürlich eine App und entsprechende Software. Die App zeichnet interessante Daten auf z.B. Essenszeiten und die Software hilft bei der Steuerung von Kamera und Lautsprecher. Innerhalb der App können die Funktionen von Aristotle angewählt sowie wichtige Einstellungen zur Personalisierung vorgenommen werden.

Und so funktioniert die virtuelle Assistentin

Bevorzugter Einsatzort von Aristotle ist das Kinderzimmer, bei Bedarf macht sich das System aber auch im Wohnzimmer oder in der Küche gut. Je nachdem wo die Dienste der digitalen Nanny eben benötigt werden. Welche Funktionen Aristotle im Detail haben wird, darüber hielt man sich bei Mattel noch bedeckt. Verraten wurden aber ein paar Eckpunkte: Aristotle kann auf Befehl das Licht ein- oder ausschalten – das ist besonders praktisch, wenn man sie als Nachtlicht verwendet. Außerdem reagiert die virtuelle Assistentin auf das Weinen eines Babys. Wird es unruhig, spielt sie automatisch ein Schlaflied oder ein zuvor festgelegtes Kinderlied ab. Aristotle führt Aufzeichnungen über Essens- und Schlafzeiten. Diese stehen anschließend in der App zur Verfügung.

Neigt sich der Windelvorrat zu Ende, bestellt Aristotle via Amazon Nachschub, in der richtigen Größe das versteht sich von selbst. Die entsprechenden Einstellungen müssen zuvor vom Nutzer vorgenommen werden, ebenso können Eltern bestimmte Berechtigungen erteilen. Auch vor unliebsamen Überraschungen sei man geschützt, so Mattel. Angeblich erkennt Aristotle den Unterschied zwischen einer kindlichen und einer erwachsenen Stimme. So soll verhindert werden, dass ein Kleinkind tüchtig bei Amazon einkauft.

Die integrierte Sprachtechnologie ermöglicht angeblich auch eine spielerische Interaktion zwischen Kleinkind und der virtuellen Assistentin. Aristotle spielt beispielsweise Tierstimmen ab und fordert das Kind anschließend auf, zu erraten, welche Stimme zu welchem Tier gehört. Hält man eine Lernkarte mit geometrischen Formen vor die Kamera, benennt Aristotle die korrekte Form. Eltern, die diesen Funktionen mit einem natürlichen Respekt begegnen, sei versichert: mit Hilfe von Aristotle kann man sein Baby auch einfach „nur“ überwachen. Die Kamera sendet Bilder aufs Smartphone der Eltern und das eingebaute Mikrofon überträgt ähnlich einem Babyphone die Geräusche aus dem Kinderzimmer.

Wie viel Technik verträgt das Kinderzimmer?

Aristotle soll im Juni 2017 auf den Markt kommen. Ob diese Technologie mehr Fluch oder Segen ist, wird sich mit den ersten Praxistests zeigen. Im Rahmen der CES wurden die Vor- und Nacheile eines solchen Systems bereits fleißig diskutiert. Besorgte Eltern äußern laute Bedenken hinsichtlich ihrer Privatsphäre. Schließlich überträgt Aristotle alle Fragen und jegliche Inhalte an den Heimrechner (in diesem Fall an Mattel). Das macht in Summe eine Menge persönlicher Daten, die von Firmen genutzt werden könnten. Der Hersteller versichert zwar die Verschlüsselung sämtlicher Daten, eine gewisse Skepsis bleibt jedoch bestehen. Unklar ist auch, welche Auswirkungen der Einsatz von digitalen Kindermädchen auf die Entwicklung und das Bindungsverhalten kleiner Kinder haben würde.

Unser Fazit: Aristotle und ähnliche Innovationen sind durchaus in der Lage, den Eltern-Alltag komplett umzukrempeln. Nicht zuletzt aufgrund vieler (neuer) Fragen, die sie aufwerfen. Die Grenzen und Möglichkeiten dieser Helferlein werden wir wohl erst Schritt für Schritt ausloten. Wir warten vorerst auch lieber die Meinungen von Sicherheitsexperten zu Aristotle ab. Nicht, dass sich am Ende noch fremde Personen, Zugriff auf das Kinderzimmer verschaffen.

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