Müssen Kinder teilen?

Das Teilen ist eine der ersten sozialen Fähigkeiten, die Kinder oft lernen sollen. Aber die Frage, ob und wann Kinder wirklich teilen müssen, sorgt immer wieder für Diskussionen. Eltern, Erzieher und Experten sind sich nicht immer einig, was das Beste für die Kleinen ist.

Stell dir vor, dein Kind spielt ganz vertieft mit seinem Lieblingsspielzeug, und plötzlich kommt ein anderes Kind und möchte es auch haben. Was machst du? Soll dein Kind das Spielzeug sofort abgeben, damit geteilt wird, oder darf es ruhig weiter damit spielen? Solche Situationen kennst du bestimmt auch. Sie werfen oft die Frage auf: Wie wichtig ist das Teilen wirklich?

In diesem Beitrag schauen wir uns an:

  1. Warum ist Teilen wichtig?
  2. Welche Herausforderungen gibt es dabei?
  3. Wie kannst du deinem Kind helfen, ein gesundes Verständnis für das Teilen zu entwickeln?
Müssen Kinder teilen?

Warum sollen Kinder das Teilen lernen?

Teilen ist nicht nur eine Frage der Höflichkeit, sondern spielt eine wichtige Rolle in der Entwicklung deines Kindes. Es gibt mehrere Gründe, warum das Teilen so bedeutend ist:

  • Soziale Entwicklung: Wenn Kinder teilen, lernen sie, auf andere Rücksicht zu nehmen und deren Bedürfnisse zu erkennen. Es fördert ihr Sozialverhalten und ihre Fähigkeit, empathisch zu handeln. Das ist eine wichtige Grundlage für gute Freundschaften und positive Beziehungen. In einer Studie des Experimentalökonomen Ernst Fehr zeigte sich, dass Kinder mit zunehmendem Alter immer teilfreudiger. Das deutet darauf hin, dass das Teilen ein entwicklungsbedingter Prozess ist, der mit dem Alter und der sozialen Reife zusammenhängt.
  • Selbstregulation: Teilen bedeutet oft, dass Kinder ihre eigenen Wünsche und Impulse zurückstellen müssen. Dadurch lernen sie, Geduld zu üben und Frustration zu ertragen. Diese Fähigkeiten sind später im Leben unerlässlich, um Herausforderungen zu meistern und Konflikte friedlich zu lösen.
  • Zugehörigkeit: In sozialen Gruppen, sei es in der Familie oder im Kindergarten, stärkt das Teilen das Gemeinschaftsgefühl. Es zeigt den Kindern, dass sie Teil einer Gruppe sind und das Wohl der Gemeinschaft oft wichtiger ist als der eigene Vorteil. Forschungen der Max-Planck-Gesellschaft haben zudem gezeigt, dass das Teilen die Kooperation unter Kindern fördert und ein grundlegender Baustein für das gemeinschaftliche Zusammenleben ist.

Teilen ist also nicht nur ein einfacher Akt, sondern eine wertvolle Lektion fürs Leben. Es hilft deinem Kind, sich in der Welt besser zurechtzufinden und starke, gesunde Beziehungen zu anderen aufzubauen.

Müssen Kinder unter allen Umständen teilen?

Auch wenn das Teilen eine wertvolle Fähigkeit ist, bedeutet das nicht, dass Kinder immer alles teilen müssen. Es ist wichtig, dass sie auch lernen, ihre eigenen Grenzen zu setzen und zu verstehen, dass nicht immer alles geteilt werden muss. Kinder sollten die Kontrolle über ihr eigenes Eigentum haben dürfen. Das hilft ihnen, ein gesundes Verständnis dafür zu entwickeln, was ihnen gehört und wann es in Ordnung ist, etwas für sich zu behalten.

Es gibt unterschiedliche Situationen, in denen das Teilen sinnvoll sein kann – oder eben auch nicht. Manchmal ist es besser, das Kind selbst entscheiden zu lassen, ob es teilen möchte. Zum Beispiel, wenn es sich um ein besonderes Spielzeug handelt, das dem Kind sehr viel bedeutet, kann es sinnvoll sein, ihm die Freiheit zu lassen, dieses nicht zu teilen. In anderen Situationen, wie beim gemeinsamen Spielen im Kindergarten, kann das Teilen wiederum dazu beitragen, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken.

Die Entwicklungspsychologinnen Tamar Kushnir und Nadia Chernyak haben in einer Studie herausgefunden, dass Kinder, die freiwillig etwas teilen, später eher bereit sind, wieder zu teilen, als wenn sie dazu aufgefordert werden. Das zeigt, wie wichtig es ist, Kindern oft die Freiheit zu lassen, selbst zu entscheiden, wann sie teilen möchten.

Die Kinder sollten möglichst ein Gleichgewicht finden. Sie sollten lernen, dass es Zeiten gibt, in denen das Teilen gut und wichtig ist, aber auch verstehen, dass es okay ist, nicht immer alles abgeben zu müssen. Dies fördert nicht nur ihre soziale Kompetenz, sondern auch ihr Selbstbewusstsein und ihr Gefühl für persönliche Grenzen.

Pädagogische Ansichten zum Teilen

Wenn es darum geht, Kindern das Teilen beizubringen, spielt die Vorbildfunktion der Eltern eine entscheidende Rolle. Kinder lernen am besten durch Nachahmung. Wenn sie sehen, dass ihre Eltern bereitwillig teilen, sei es beim Essen, im Alltag oder mit Freunden, werden sie ermutigt, es ihnen gleichzutun. Eltern, die teilen, vermitteln ihren Kindern, dass Geben und Nehmen ein natürlicher Teil des Zusammenlebens sind.

Entscheidend ist es auch, den Kindern Freiraum für individuelle Entscheidungen zu lassen. Sie sollten die Möglichkeit haben, selbst zu entscheiden, ob sie etwas teilen möchten oder nicht. Diese Entscheidungsfreiheit unterstützt die Entwicklung ihres Selbstbewusstseins und ihrer Fähigkeit, persönliche Grenzen zu setzen. Es zeigt ihnen, dass ihre Wünsche und Gefühle respektiert werden, was ihnen hilft, selbstbewusst und eigenständig zu werden.

Ferner ist es wichtig, die Empathie der Kinder zu fördern. Eltern können ihren Kindern dabei helfen, die Gefühle anderer Kinder zu verstehen. Indem sie erklären, warum ein anderes Kind sich über das Teilen freuen würde oder warum es traurig ist, wenn es ausgeschlossen wird, unterstützen sie ihr Kind dabei, eigenständig zu entscheiden, wann und wie es bereit ist, zu teilen. Empathie zu entwickeln, ist ein wesentlicher Bestandteil des sozialen Miteinanders und hilft Kindern, starke und positive Beziehungen zu ihren Mitmenschen aufzubauen.

Müssen Kinder teilen?

Tipps für Eltern

Das Teilen ist eine Fähigkeit, die Kinder erst lernen müssen, und dabei können Eltern eine wichtige Rolle spielen. Hier sind einige Tipps, die dir dabei helfen können:

  • Geduld zeigen: Es ist wichtig zu verstehen, dass das Teilen nicht von heute auf morgen gelernt wird. Kinder brauchen Zeit, um diese Fähigkeit zu entwickeln. Sei geduldig und gib deinem Kind den Raum, den es braucht, um das Teilen in seinem eigenen Tempo zu lernen.
  • Spielerisches Lernen: Das Teilen kann auf spielerische Weise geübt werden. Aktivitäten, bei denen Kinder ohne Druck und in einer entspannten Atmosphäre das Teilen erleben, sind besonders effektiv. Zum Beispiel können gemeinsame Spiele, bei denen abwechselnd ein Spielzeug verwendet wird, helfen, das Teilen als etwas Positives zu erfahren.
  • Positive Verstärkung: Wenn dein Kind freiwillig teilt, ist es wichtig, dieses Verhalten zu loben und positiv zu verstärken. Ein einfaches „Das hast du toll gemacht!“ oder „Ich bin stolz auf dich, dass du geteilt hast“ kann viel bewirken. Positive Rückmeldungen motivieren dein Kind, weiterhin zu teilen und diese Fähigkeit zu festigen.

Diese Tipps können dazu beitragen, dass dein Kind das Teilen als einen natürlichen und positiven Teil des sozialen Miteinanders erlebt.

Was meint die BabyForum-Community dazu?

Im BabyForum teilen viele Eltern die Ansicht, dass Kinder nicht zwingend teilen müssen. Es gibt die Überzeugung, dass es wichtig ist, den Kindern die Freiheit zu lassen, selbst zu entscheiden, ob sie teilen möchten. Dies soll ihnen helfen, ein gesundes Verständnis für Besitz und das Teilen zu entwickeln, ohne dabei unter Druck gesetzt zu werden.

Auf der anderen Seite gibt es Eltern wie puderrosa, die klare Regeln aufstellen: „Essen sowie Spielzeug wird bei uns grundsätzlich geteilt, mit dem Beisatz ‚es ist genug für alle da‘“. Diese Regel soll das Teilen im Alltag normalisieren und den Kindern zeigen, dass es immer ausreichend für alle gibt.

Einige Eltern berichten auch von der Herausforderung, dass ihr Kind anderen gerne das Spielzeug wegnimmt. Nach ihrer Einschätzung liegt dies oft daran, dass das Kind noch nicht gut genug seine eigenen Bedürfnisse kommunizieren kann und daher auf solche impulsiven Handlungen zurückgreift.

Ein nützlicher Tipp kommt von der wölfin: „Also wenn Besuch kommt, ist's manchmal sinnvoll, wenn sie Lieblingsspielzeug vorher wegräumen. weil wenn die kleine zb nicht mag, wenn jemand mit ihrem einschlafkuscheltier spielt, finde ich das ok. Sind e genug andere Sachen da." Diese Vorgehensweise kann helfen, Konflikte zu vermeiden und dem Kind ein Gefühl der Sicherheit in Bezug auf seine wichtigsten Besitztümer zu geben.

Die Diskussion zeigt, dass es keine einheitliche Meinung gibt, sondern dass die Entscheidung, ob und wann Kinder teilen sollen, stark von den individuellen Erziehungsansichten und den persönlichen Erfahrungen der Eltern abhängt.

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