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Mental Load bei Müttern

Direkt mit dem Augenaufschlag fängt es an – das Gedankenkarussell. “Heute nach der Schule ist der Zahnarzttermin von Theo, ich muss ihm unbedingt die Zahnputzsachen in den Rucksack packen. Am besten schmiere ich noch ein zusätzliches Wurstbrot, damit er nach dem Kindergarten keinen Hunger hat. Und die Wäsche ist noch in der Maschine! Die muss ich unbedingt noch in den Trockner packen. Das Katzenfutter ist auch fast leer, vielleicht sollte ich vor dem Büro noch schnell einkaufen?” So oder so ähnlich flammen die Gedankenblitze beinahe pausenlos auf. Dahinter verbirgt sich ein Phänomen namens Mental Load.

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Was ist Mental Load?

Mental Load ist die psychische Belastung, die du durch die ständige Planung und Organisation des Alltags erlebst. Es handelt sich dabei meistens um Aufgaben, die auf den ersten Blick nicht wirklich wichtig erscheinen. Aber sie sind unerlässlich. Trotzdem bekommst du dafür weder eine Belohnung noch eine Bezahlung.

Mental Load umfasst viele unsichtbare Aufgaben wie das Planen von Mittag- und Abendessen oder die Koordination der Fahrten zu Hobbys. Es ist ein ständiger mentaler Kraftakt, der nie aufhört und dich permanent beschäftigt.

Ist Mental Load ein neues Phänomen?

Mental Load ist kein neues Phänomen. Aber glücklicherweise erhielt es in den vergangenen Jahren immer mehr Aufmerksamkeit. Hauptverantwortlich dafür war der Comic "You Should’ve Asked" der französischen Künstlerin Emma aus dem Jahr 2017. Darin zeigt Emma auf humorvolle und anschauliche Weise, wie Frauen oft die gesamte mentale Last in einer Partnerschaft tragen. Der Comic half dabei, das Konzept von Mental Load weltweit bekannt zu machen. 

In "You Should’ve Asked" illustriert Emma die alltäglichen mentalen Aufgaben, die oft unsichtbar sind, und erklärt, wie Frauen die Verantwortung für diese Aufgaben übernehmen. Der Partner wartet dagegen oft nur auf konkrete Anweisungen. In dem Werk wird deutlich, dass das Problem nicht die eigentlichen Aufgaben darstellen, sondern das ständige Denken und Planen, das mit ihnen verbunden ist. 

Mental Load in Zahlen: Frauen sind viel öfter betroffen!

Tatsächlich ist Mental Load ein weibliches Problem. Das decken verschiedene Untersuchungen auf. Der 2. Gleichstellungsbericht der Bundesrepublik Deutschland zeigt, dass Frauen 52,4 % mehr Zeit pro Tag für Care-Arbeit investieren. Was bedeutet das in Stunden?

  • Frauen verbringen 4 Stunden und 13 Minuten täglich mit Care Arbeit.
  • Männer investieren dagegen nur 2 Stunden 47 Minuten pro Tag.

Daraus lässt sich der sogenannte Gender-Gap berechnen. Es sind ganze 87 Minuten, die Frauen täglich mehr mit der Organisation und Planung des Haushalts und der Familie belastet sind.

Warum ist die psychische Alltagsbelastung meistens Frauensache?

Früher, in den 1950er- und 1960er-Jahren, waren die Rollen im Haushalt noch klarer verteilt: Frauen kümmerten sich um den Haushalt und die Kinder, während Männer für das Einkommen sorgten. Diese klare Trennung der Aufgaben hat sich im Laufe der Jahrzehnte verändert, besonders seit den 1970er-Jahren, als mehr Frauen in den Arbeitsmarkt eintraten. Seit 1975 dürfen Frauen in Österreich ohne Zustimmung des Mannes arbeiten.

Die Gleichberechtigung der Frau hat dazu geführt, dass diese nun unter der Doppelbelastung aus Haus- und Carearbeit sowie Berufstätigkeit leidet. Das liegt daran, dass sie zwar jetzt eine Karriere machen kann, allerdings immer noch den Großteil der Alltagsaufgaben übernimmt.

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Welche Auswirkung hat die psychische Dauerbelastung?

Die ständige psychische Belastung durch Mental Load kann ernsthafte gesundheitliche Folgen haben. Hier einige der häufigsten Auswirkungen:

  • Dauerstress: Dein Körper und Geist sind ständig angespannt.
  • Schlafstörungen: Das Gedankenkarussell lässt dich schlecht schlafen.
  • Gereiztheit und Vergesslichkeit: Du wirst leicht gereizt und vergisst öfter Dinge.
  • Chronische Erschöpfung und Burn-out: Die andauernde Belastung führt zu ständiger Müdigkeit und kann in einem Burn-out enden.
  • Kopfschmerzen und Migräne: Häufige Kopfschmerzen oder Migräneattacken.
  • Depression: Langfristiger Stress kann depressive Symptome auslösen oder verschlimmern.
  • Tinnitus: Ohrgeräusche, bekannt als Tinnitus, können durch Stress verursacht oder verstärkt werden.
  • Bluthochdruck und höhere Herzfrequenz: Ständiger Stress erhöht das Risiko für Bluthochdruck und eine schnellere Herzfrequenz.
  • Magen-Darm-Probleme: Stress kann zu Verdauungsproblemen führen.
  • Schwächung des Immunsystems: Dein Immunsystem wird geschwächt, wodurch du anfälliger für Krankheiten wirst.
  • Verminderte Konzentrationsfähigkeit: Es fällt dir schwer, dich zu konzentrieren.
  • Soziale Isolation: Überlastung kann dazu führen, dass du soziale Kontakte vernachlässigst und dich isoliert fühlst.

Diese teilweise schwerwiegenden Auswirkungen zeigen, wie wichtig es ist, Mental Load zu erkennen und zu verringern.

Was kannst du gegen zu viel Mental Load tun?

Um den Mental Load zu reduzieren, gibt es verschiedene Strategien, die dir helfen können.

  1. Ein wichtiger Schritt ist die gerechte Verteilung der Aufgaben. Teile die täglichen Verpflichtungen klar unter allen Familienmitgliedern auf. Ein Haushaltsplan oder eine To-do-Liste kann dabei helfen, die Verantwortlichkeiten festzulegen und sicherzustellen, dass jeder seinen Beitrag leistet.
  2. Setze Prioritäten, indem du dich auf die wichtigsten Aufgaben konzentrierst. Nicht alles muss sofort erledigt werden. Verschiebe weniger dringende Aufgaben oder delegiere sie an andere. Lerne, auch mal "Nein" zu sagen, um Überlastung zu vermeiden.
  3. Suche Unterstützung bei Familie, Freunden oder Kollegen. Du musst nicht alles allein schaffen. Manchmal ist es auch sinnvoll, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wie eine Reinigungskraft oder Kinderbetreuung.
  4. Nutze digitale Hilfsmittel wie Apps zur Aufgabenverwaltung und Kalender-Apps, um deinen Alltag besser zu organisieren. Diese Tools helfen dir, den Überblick zu behalten und sicherzustellen, dass nichts vergessen wird.
  5. Vergiss nicht die Selbstfürsorge. Plane regelmäßig Zeit für dich selbst ein, um dich zu entspannen und aufzutanken. Aktivitäten wie Yoga, Meditation oder ein Spaziergang können dabei helfen, den Stress abzubauen.
  6. Offene Kommunikation ist essenziell. Sprich mit deinem Partner oder deiner Familie über deine Belastung und erkläre, was Mental Load ist und wie er dich beeinflusst. Das Verständnis der anderen ist ganz oft der erste Schritt zu einer gerechteren Aufgabenverteilung sein.

Es ist auch wichtig, dass du realistische Erwartungen an dich selbst hast. Setze dir erreichbare Ziele und akzeptiere, dass nicht alles perfekt sein muss. Es ist in Ordnung, auch mal Aufgaben liegen zu lassen.

Was meint die BabyForum-Community dazu?

In der BabyForum-Community wird das Bild zum Mental Load bestätigt, das etwa der 2. Gleichstellungsbericht liefert. Den Großteil der Care-Arbeit übernehmen die Frauen. Manche schätzen die Verteilung in ihrer Partnerschaft auf 90:10 oder 80:20, andere auf 70:30.

Gleichzeitig scheint es aber auch häufig so zu sein, dass die Frauen entweder in Karenz sind oder weniger arbeiten als die Männer. Deshalb übernehmen sie automatisch mehr Aufgaben zu Hause. Einigen Userinnen scheint es außerdem schwerzufallen, Aufgaben abzugeben. Es herrscht bei manchen auch die Vorstellung, dass Frauen besser im Planen und Organisieren sind.

Soso schreibt: Das ist denke ich der Hauptpunkt, viele organisatorische Dinge können wir einfach besser bzw.. glauben teilweise, dass wir es besser oder effizienter als unser Partner hinkriegen. Und dadurch fällt es dann natürlich auch nochmal schwerer, etwas abzugeben. Es ist übrigens immer noch unser Mental Load, wenn wir unserem Partner z. B. nur die Ausführung der Aufgabe übergeben. Also Kinderbetreuung planen etc. und er bringt dann z.B. das Kind "nur" hin. Oder ihn an die Dinge, die bei ihm liegen zu erinnern.

Was auch immer wieder zu lesen ist, dass Männer (wie im Emma-Comic pointiert dargestellt) tatsächlich oft auf Anweisung warten. Betty 123 berichtet: Ich bitte ihn, die Tupperbox aus dem Kühlschrank zu nehmen. Er nimmt sie aus dem Kühlschrank, aber packt sie nicht in den Rucksack und wir vergessen sie zuhause.

Die Community unterstützt sich gegenseitig mit hilfreichen Tipps und Tricks. Mehrere Frauen berichte, wie wichtig es ist, die Aufgaben ganz klar zu verteilen und die Verantwortung abzugeben. Außerdem empfehlen sie eine offene Kommunikation mit dem Partner. Sprich regelmäßig mit ihm und teilt die Aufgaben ein. Ihr könnt die Vereinbarungen auch schriftlich festhalten, damit Missverständnisse ausgeschlossen werden.

Es wird auch der Einsatz von Bullet Journals als Planungstool erwähnt. Eine Userin hat den Tipp bekommen, damit die Aufgaben zu koordinieren. Allerdings scheinen die anderen Frauen bisher keine Erfahrung damit gemacht zu haben. Dennoch ist es einen Versuch wert.

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