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Martina Sommer-Goldammer, Gründerin der YogaPraxis

Yoga für Kinder: „Spielerisches Ausprobieren neuer Bewegungsformen“

Martina Sommer

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Das Angebot an Yogakursen für Kinder wächst - immer mehr YogalehrerInnen und Yogazentren bieten bereits Kurse für Vorschul- und Schulkinder, Teenager oder Mütter mit Babys an. Welche Unterschiede es zwischen Yoga für Kinder und Erwachsene gibt, welche positiven Effekte daraus entstehen und wie eine Yogastunde für Kinder aussieht, erklärt Martina Sommer-Goldammer im Interview mit Kinderkram und Elternwirtschaft. Die Gründerin des Gesundheitszentrums YogaPraxis im 9. Wiener Bezirk ist diplomierte Physio- und Yogatherapeutin sowie Sonder- und Heilpädagogin und leitet unter anderem Yogakurse für Kinder verschiedener Altersstufen.

Was unterscheidet Yoga-Kurse für Kinder von jenen die für Erwachsene angeboten werden?

Sommer-Goldammer: Yoga als ganzheitliches Konzept zur Gesundheitsförderung wird von Erwachsenen meistens als Ausgleich zu einem fordernden beruflichen oder familiären Alltag gesehen. Die wechselnden Stellungen und Bewegungen mit An- und Entspannung im Atemrhythmus bieten eine Möglichkeit, körperlich und geistig etwas für sich selbst zu tun. Während es bei Erwachsenen meistens um den Fokus der ruhigen Selbstbeobachtung und Wahrnehmung geht, steht bei Kindern mit ihrem natürlichen Bewegungsdrang vor allem das spielerische Ausprobieren von neuen Bewegungsformen im Vordergrund. Das Verhältnis von statischen und dynamischen Abläufen nimmt auf die altersentsprechende Entwicklung Rücksicht und soll den Kindern ein zusätzliches Angebot zur persönlichen Weiterentwicklung bieten.

Wie gestaltet sich eine Yoga-Stunde für Kinder und wie lassen sich die verschiedenen Anschauungen von Yoga an Kinder weitergeben?

In einer Yogastunde, die meistens ein Mal pro Woche angeboten wird, ist der Rahmen mit der Begrüßungsrunde, einem Bewegungsspiel am Anfang, einem Hauptthema, das die Auswahl der Stellungen und Bewegungen vorgibt und einem ruhigen Abschluss mit einer Phantasiereise, einer Geschichte, Musik oder Atembeobachtung, vorgegeben. Da die Namen der Yoga-Asanas (Haltungen) meist nach Tieren oder Formen aus der Natur benannt sind, ergibt sich sehr leicht eine Geschichte, Reime oder kurze Spiele, die je nach Jahreszeit zu einer passenden Grundlage der Stundengestaltung dienen. Je nach Alter der Kinder und Dauer eines Kurses können bestimmte theoretische und philosophische Themen angesprochen und der Bezug zur alltäglichen Praxis hergestellt werden.

In der YogaPraxis gibt es neben Kinder-Kursen auch Kurse für Mütter und Babys. Ab welchem Alter sind Yoga-Kurse für Kinder prinzipiell zu empfehlen?

Der Kurs für Mütter mit Babys ist vor allem für Frauen nach der Geburt gedacht, die mit ihren Kindern gemeinsam Yoga in einem entsprechenden Rahmen praktizieren möchten. Für viele ist es einfacher ohne Babysitter auszukommen und auch die Kleinen können je nach Lust und Laune in die Yogapraxis mit einbezogen werden. Die Kinder lassen sich dabei selbst von der ruhigen und entspannten Stimmung anstecken und können bis zum Alter von ein, zwei Jahren gut dabei sein. Es gibt bereits Kurse für das Vorschulalter, wobei der Fokus beim Spiel und Spaß liegt. Erst ab dem Schulalter wird es für die Kinder wichtiger, die eigenen Möglichkeiten auszuloten und die körperlichen und geistigen Fähigkeiten zu disziplinieren.

Würden Sie sagen, dass Yoga für jedes Kind geeignet ist? Kann man einen Yoga-Kurs auch im Familienverbund besuchen?

Solange die Kinder selbst gerne kommen, ist das Feedback ein sehr positives. Wenn eher die Eltern die Kinder drängen und zu Yoga mit einer bestimmten Erwartungshaltung schicken, wird es für alle Beteiligten schwieriger. Aber außer organisatorischen Überlegungen, dass für Kinder der Wochenplan neben der Schule nicht zu voll werden sollte, gibt es nichts das dagegen sprechen sollte. Im Gegenteil, vor allem bei den Familien-Yogastunden, wo die Kinder gemeinsam mit Mutter, Vater oder einer anderen Bezugsperson üben, ergibt sich eine wunderbare gelebte Yogapraxis, von der beide Seiten profitieren.

Erwachsene machen Yoga unter anderem zum Abbau von Stress, zur Entspannung oder zur Stärkung der Muskulatur. Welche positiven Effekte bewirken regelmäßige Yoga-Übungen bei Kindern?

Bei Kindern geht es ebenfalls um das Gleichgewicht der körperlichen Muskelkraft und -dehnfähigkeit. Die Abwechslung von Anspannung und Entspannung, sowie die Beobachtung des eigenen Atemrhythmus lassen die Kinder ihre körperlichen Möglichkeiten und Grenzen erfahren. Der Umgang mit charakterlichen Stärken und Schwächen kann helfen, sich besser einzuschätzen und damit das Selbstvertrauen zu stärken. Die Yogaphilosophie, die sich nicht nur auf das Bewegungskonzept reduzieren lässt, sondern auch ethische und moralische Lebensregeln im sozialen Kontext beinhaltet, kann damit auch einen wertvollen Beitrag zur Betonung der Verantwortung des Einzelnen im Rahmen der Gesellschaft leisten.

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