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Öko-Test: Wegwerfwindeln auf dem Prüfstand

Zwischen 5.000 und 6.000 Windeln verbraucht dein Nachwuchs bis er selbstständig auf die Toilette gehen kann. Das ist, je nach Entwicklungsstadium, zumeist im Kindergartenalter der Fall, wobei Kinder üblicherweise tagsüber zuerst „trocken“ werden. Nachts und beim Schlafen kommen Windeln noch etwas länger zum Einsatz. Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat unlängst einen Bericht von Öko-Test veröffentlicht. Das Testinstitut hat 13 Windeln unterschiedlicher Marken unter die Lupe genommen. Wir fassen die Ergebnisse zusammen.

Baby mit einer Windel in der Startposition eines Läufers

Testsieger mit Fragezeichen

Von zahlreichen Produkttests wissen wir bereits: das teuerste Produkt ist nicht automatisch die beste Wahl. Im Windel-Test konnte allerdings tatsächlich das teuerste Produkt überzeugen und das kommt, wenig überraschend, vom Marktführer Pampers. Etwa 70% aller verkauften Windeln werden von Procter & Gamble hergestellt, unter deren Dach sich die Marke Pampers einreiht. Öko-Test verleiht den Pampers Baby-Dry das einzige „Sehr Gut“ im Test. Sie punkten in der Kategorie Aufsauggeschwindigkeit und Handhabung, sowohl im Praxistest der Eltern als auch im Prüflabor. Die Pampers Baby-Dry läuft im Gegensatz zu den anderen getestete Produkten nicht aus. Der Preis liegt für 40 Windeln bei 8,71 Euro. Doch die Sache hat auch einen Haken: das Innenvlies der Windel enthält Erdöl und Paraffin. Beide Inhaltsstoffe wurden in der Lotion gefunden, die das Innenvlies umgibt. Öko-Test weist bereits seit längerer Zeit daraufhin, dass sowohl Erdöl als auch Paraffin als Zusatzstoffe nicht notwendig seien.

Auf den Testsieger folgen drei Produkte mit dem Gesamturteil „Gut“:

  • Beauty Baby Premium Dry Windeln (5,02 Euro pro 40 Stück)
  • Gut & Günstig Premium-Windeln (5,48 Euro pro 40 Stück)
  • Lillydoo Windeln (15,17 Euro pro 40 Stück)

Ebenso eine „gute“ Bewertung erhielten die Eigenmarken der Handelsketten REWE, Lidl und Real. Fünf Mal wurde im Test ein „Befriedigend“ vergeben. Davon sind auch die beiden Öko-Marken (Moltex Nature, Naty by Nature Babycare) betroffen, die überprüft wurden. Die Eltern bemängelten die Weichheit und Hautfreundlichkeit der Windeln, wenngleich die Schadstofffreiheit als durchwegs positiv beurteilt wurde. Den letzten Platz im Test hat die Eigenmarke der Drogeriekette Dm belegt. Die Babylove Aktiv Plus Premium Windeln müssen sich mit dem Gesamturteil „Ausreichend“ zufrieden geben. Auffallend bei dieser Marke: die mangelhafte Aufsauggeschwindigkeit. Und das kann, vor allen Dingen in der Nacht oder wenn Kinder die Windel länger tragen, zum Problem werden. Der günstige Preis der Babylove Aktiv Plus Premium Windeln liegt bei 4,98 Euro für 40 Stück.

Windelfrei als Alternative

Im Rahmen des Testberichtes beleuchtet Öko-Test auch mögliche Alternativen zur Wegwerfwindel. Mittlerweile praktizieren viele Eltern das so genannte „Windelfrei“-Prinzip. Das bedeutet, Kinder wachsen vollkommen ohne Windel auf. Sie werden bereits als Babys abgehalten, also über ein Töpfchen, das Waschbecken, das WC oder einen kleinen Eimer gehalten, wenn sie müssen. Die Ausscheidungen kündigen sich dabei in Form diverser Signale an, die von Kind zu Kind individuell unterschiedlich sind. Manchmal schreien die Babys, manchmal verziehen sie das Gesicht, werden unruhig oder auffällig ruhig. Kinder im Kleinkindalter zappeln häufig herum, tänzeln gewissermaßen oder rutschen im Sitzen hin und her. Wer sein Kind nun abhalten will, der muss lernen, die Anzeichen richtig zu deuten. Das gelingt mit der Zeit immer besser, viele Windelfrei-Eltern reagieren auch intuitiv.

Wer sein Baby wickeln, aber auf Wegwerfwindeln verzichten möchte, der kann auf Stoffwindeln zurückgreifen. Sie sind dem klassischen „Öko“-Eck schon längst entwachsen und auch in der Handhabung ähnlich praktisch wie Einwegwindeln. Die Stoffe sind bunt bedruckt, die Materialien vielfältig und die Modelle variabel. Es gibt All-In-One Windeln und so genannte Zweiteiler, die aus Innenwindel und Überhöschen bestehen. Im Gegensatz zu den Wegwerfwindeln müssen Stoffwindeln natürlich gewaschen werden. Sie verbrauchen also ebenfalls Ressourcen und Energie, ob sie tatsächlich umweltschonender sind, darüber ist man nach wie vor uneins. Manche Eltern berichten, dass ihre Kinder die Stoffwindel besser vertragen und Hautreizungen dadurch reduziert werden können. Andere wiederum fühlen sich durch die Windeln in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkt, da sie üblicherweise etwas mehr auftragen als Wegwerfwindeln. Ob Stoffwindel, Windelfrei oder herkömmliche Einwegwindel – wir empfehlen dir, offen zu bleiben und es einfach zu versuchen. Die Varianten lassen sich auch untereinander kombinieren: du kannst beispielsweise windelfrei praktizieren und in gewissen Situationen (z.B. beim Autofahren oder wenn dein Kind krank ist) eine Stoff- oder Wegwerfwindel verwenden.

Die Testkriterien

Die Gesamtbeurteilungen setzen sich aus zwei unterschiedlichen Tests zusammen. Einerseits wurden alle Windeln 30 Tage lang im Praxistest erprobt. Eltern haben also mit ihren Kindern überprüft, ob die jeweilige Windel funktioniert, ob ausreichend Flüssigkeit aufgesaugt wird und wie die Klettverschlüsse halten. Im Labor wurden die Windeln außerdem auf umstrittene Inhaltsstoffe untersucht. Getestet wurden auch die Kriterien Aufsauggeschwindigkeit, Flüssigkeitsauslauf und Rücknässung.

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