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Muttermale, Feuer und Fingernägel: Aberglaube rund ums Kinderkriegen

Kupferstich mit Baby und Engel

Aberglaube hat die Menschheit viele Jahrhunderte begleitet und sich in Bräuchen und Sitten festgesetzt, die zum Teil noch heute existieren. Schwangerschaft und Geburt sind davon nicht ausgenommen. So gibt es Anzeichen, die das Geschlecht des Ungeborenen selbst ohne Ultraschall verraten sollen oder scheinbar wichtige Regeln im ersten Lebensjahr des Kindes, die ausschlaggebend für dessen späteren beruflichen Werdegang sein könnten. Einige der nachstehenden Volksweisheiten sind sehr bekannt und verbreitet - ob tatsächlich etwas dahinter steckt?

Schwangerschaft: Feuer und schreckhafte Mütter

Der Aberglaube rund um das Kinderkriegen beginnt schon bei der Schwangerschaft, wobei sich  Volksweisheiten rund um das Erraten des Geschlechts besonders hartnäckig halten. Folgende Kriterien konnten wir zur Unterscheidung finden: Ein Junge gibt einer Mutter Schönheit, ein Mädchen nimmt sie. Ist der Schwangeren besonders oft übel und ist sie eher trübselig und traurig, bekommt sie ein Mädchen. Darauf deutet auch ein flacher und breiter Bauch sowie ausgeprägte Lust auf Süßes hin. Wird ein Junge erwartet, ist die Frau dagegen fröhlich, hat einen eher spitzen Bauch und Lust auf Saures.

Einige anschauliche Beispiele zum Aberglauben rund um die Schwangerschaft hat die deutsche Gemeinde Mülverstedt in Thüringen online gestellt. Diese stammen aus den 1850er und 60er Jahren und sind vielleicht zum Teil noch heute aktuell. Ein großes Thema war damals das Erschrecken von Schwangeren, von dem man annahm, das es negative Wirkungen auf das Ungeborene hat. Das Kind werde hässlich, wenn die werdende Mutter über hässliche Tiere oder Menschen erschreckt, so die Befürchtung.

Wie in vielen anderen Orten sorgte man sich auch in Mülverstedt, dass ein Kind außerdem ein „böses Wesen“ bekommt, wenn seine Mutter in der Schwangerschaft erschreckt. Besonders ängstliche Mütter müssten demnach auch Kinder mit vielen Muttermalen zur Welt gebracht haben: Fasst sich eine Schwangere im Schreck an eine Körperstelle, bekommt ihr Kind an der selben Stelle ein Muttermal, so der Glaube.

Der Aberglaube lehrt uns, dass Schwangere prinzipiell aufmerksam durchs Leben laufen sollten: Keinesfalls dürfen sie unter einer Wäscheleine durchgehen – diese steht für die Nabelschnur und könnte sich um das Ungeborene wickeln. Feuer sollte man als Schwangere besser meiden, denn wenn eine werdende Mutter bei einem Brand anwesend ist und sich aus Angst mit der Hand über das Gesicht fährt, bekommt das Kind dort ein Feuermal. Außerdem wird der Nachwuchs dann vermutlich rote Haare haben.

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Geburt: Sommerkinder und Vollmond

Manche der alten Weisheiten stimmen sogar. Etwa jene, die behauptet, dass die meisten Kinder im Sommer geboren werden. Laut Zahlen der Statistik Austria kamen die meisten österreichischen Babys in den vergangenen Jahren im Juli und August zur Welt. Der Nachwuchs wurde also zwischen Oktober und Dezember gezeugt, zur kuscheligsten Zeit des Jahres.

Viele Mythen ranken sich um den Vollmond – auf die Geburt hat er jedoch keinen Einfluss. Die Annahme, dass bei Vollmond mehr Babys zur Welt kommen, konnte statistisch bislang nicht bewiesen werden. Im Gegenteil, der Mathematiker Oliver Kuß von der Universität Halle hat mit einer Studie gezeigt, dass bei mehr als vier Millionen Geburten in 37 Jahren kein Zusammenhang zwischen Mondzyklus und Geburt besteht.

Was Kuß aber bestätigten konnte ist, dass die meisten Geburten am Montag und Dienstag (zumindest im deutschen Bundesland Baden-Württemberg) und die wenigsten am Wochenende passieren. Das hat aber vermutlich wenig mit der Kraft des Mondes, als vielmehr mit den Terminen der Krankenhäuser zu tun. Planbare Geburten werden eher zwischen Montag und Freitag angesetzt.

Der Glaube, dass jedes Kind der Mutter einen Zahn kostet, sollte heute bereits widerlegt sein. Gar nicht auszudenken, wie viele Frauen mit Zahnlücken zu kämpfen hätten. Früher war der Zahnverlust in der Schwangerschaft oder nach der Geburt vielleicht noch ein Problem, heutzutage beugen ausgewogene Ernährung und Mundhygiene aber gegen möglichen Kalziummangel sowie Zahnfleischentzündungen und damit Zahnproblemen vor.

Ist das Kind erst auf der Welt, gilt es einige weitere Regeln zu beachten – zumindest wenn man abergläubisch ist. Nach der Geburt geht es in den Garten: Die Plazenta wird vergraben und an der selben Stelle der Lebensbaum des Kindes gepflanzt. Vergräbt man sie nur unter einem Rosenstrauch, wird das Kind besonders schön. Der erste Kindesurin wird dagegen unter einem Apfelbaum vergossen. Das nutzt dem Baum zwar nichts, das Kind soll davon aber rote Wangen bekommen.

Eine frischgebackene Mutter sollte sich übrigens nicht wundern, wenn sie der Besuch im Krankenhaus mit Weihwasser bespritzt und sich bekreuzigt – das bringt angeblich Gesundheit für Mutter und Kind. Auch die Hebamme sollte vorsichtshalber nicht vergessen werden, so glaubten es zumindest die Mülverstedter: Beim ersten Bad des Kindes durch die Hebamme wird dieser ein Geldstück ins Wasser gelegt, das bringt Glück. Nach der Taufe sollte die Hebamme vom Taufpaten ebenfalls entlohnt werden – man will ja kein Risiko eingehen.

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Kindheit: Fingernägel, Friedhöfe und Haare

Abergläubische Menschen hatten in Mülverstedt, genauso wie in anderen Städten, für das erste Lebensjahr des Kindes zahlreiche Regeln, die dem Glück nachhelfen sollten. Ein Kleinkind sollte auf keinen Fall auf einen Friedhof mitgenommen werden, da es sonst stirbt. Bringt man es in den Keller, kommt es ins Gefängnis. Tödlich könnte es auch enden, wenn dem Kind in den ersten zwölf Monaten die Fingernägel geschnitten werden – besser ist es, sie abzubeissen. Zur Beruhigung: Andere Quellen sprechen in diesem Fall nicht von einem drohenden Todesfall, sondern nur von einer kriminellen Karriere des Kindes.

Ebenso wie die Fingernägel, sollte man auch die Haare des Kindes im ersten Jahr nicht schneiden – das kostet den Verstand. Selbst das Wachstum des Kindes können Unachtsame hemmen: Das Kind darf weder durch ein Fenster gehoben oder gemessen werden und man sollte auch nicht darüber steigen oder springen.

Und hier noch ein modischer Tipp für das erste Lebensjahr: Eine Kette aus Fuchs- oder Wolfszähnen, die dem Kind um den Hals gehängt wird, soll das Zahnen erleichtern. Wir können ihnen allerdings nicht verraten, wo man diese bekommt. Da greift man doch lieber auf eine Bernsteinkette zurück.

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