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Kombi-Kinderwagen auf dem Prüfstand - Bekannte Marken mit hoher Schadstoffbelastung?

Die deutsche Verbraucherorganisation Stiftung Warentest hat aktuelle Kinderwagenmodelle getestet. Die kürzlich veröffentlichten Ergebnisse (03/2017) sorgen für viel Gesprächsstoff, denn bei den Verlierern des Tests handelt es sich um bekannte Kinderwagenmarken.

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Hohe Schadstoffbelastung

Überprüft wurden 12 Kombi-Kinderwagen aus den unterschiedlichsten Preisklassen (zwischen 299 Euro und 1080 Euro). Unter Kombi-Kinderwagen versteht man jene Modelle, die man von Geburt an bis zum Kleinkindalter nutzen kann. Sie bestehen üblicherweise aus einer Babywanne oder einer Tragetasche und einem Sitz. Die Babywanne/Tragetasche ist für den Transport in den ersten Lebensmonaten gedacht. Der Sitz wird dann ein Thema, wenn das Kind den Kopf halten und selbstständig aufrecht sitzen kann (das ist zwischen 6 und 9 Monaten der Fall). Bei werdenden Eltern ist diese Form des Kinderwagens durchwegs beliebt, da man die gesamte Zeit des Transports mit einem Modell abdeckt.

Im Rahmen des Tests haben die zwei teuersten Kinderwagen am schlechtesten abgeschnitten. Das ist interessant, da man sich in Anbetracht der hohen Anschaffungssumme durchaus Qualität und eine gewisse Produktverlässlichkeit erwarten darf.

Insgesamt wurden vier Kinderwagen mit dem Urteil „mangelhaft“ versehen. Negativ aufgefallen ist dabei der, vor allem im urbanen Bereich sehr beliebte, Bugaboo „Buffalo“. Er kostet im Schnitt 1.080 Euro und erhielt die Gesamtnote 4,6. Die Schiebe- und Tragebügel des „Buffalo“ sind in Leder-Optik gehalten und laut Stiftung Warentest ein echtes Risiko für Eltern und Kind. In den Griffen wurde das Flammschutzmittel TDCPP (Tris-Dichlorisopropylphosphat) nachgewiesen. Es handelt sich hierbei um eine chemische Verbindung die als höchstwahrscheinlich krebserregend eingestuft wird. Besonders bemängelt wurde die hohe Konzentration in jenen Griffen, die auch für Kinder erreichbar sind. Schließlich lässt es sich kaum vermeiden, dass der Nachwuchs den Griff abschleckt und ausgiebig betastet.

Das Modell „Capri“ von Bergsteiger hat ebenfalls schlecht abgeschnitten. Der Kostenpunkt liegt bei 400 Euro, Gesamturteil von Stiftung Warentest ist 4,8. Schadstoffe (Naphthalin, Weichmacher) wurden im Kindergriff, im Schiebegriff und im Regenverdeck gefunden. Der „Capri“ war jedoch nicht das einzige Modell mit erhöhter Naphthalin-Belastung: auch der „Bliss“ von Teutonia (Preis: 1.040 Euro, Testnote 4,7) hatte in diesem Zusammenhang bedenkliche Werte. Gefunden wurde der Schadstoff ebenfalls in den Griffen. Enttäuscht zeigt man sich bei Stiftung Warentest auch vom „Noxxter“ aus dem Hause Knorr-Baby (Preis: 600 Euro). Er ist mit einer Bewertung von 5,0 der größte Verlierer des Testes. Die Schadstoffbelastung in Griffen, Kindergriffen und auch in den Textilien fiel hoch aus. Gefunden wurden Naphthalin, Weichmacher und Flammschutzmittel. Auch in Punkto Sicherheit gab es Abzüge. Wer den Kindersitz befestigen will, muss dies mit Hilfe von vier Metallstiften tun. Selbst wenn diese hörbar einklicken, kann es vorkommen, dass der Aufsatz nicht richtig montiert ist. Wird der Sitz falsch aufgesetzt oder rasten nicht alle Metallstifte ordentlich ein, besteht Kippgefahr.

Kinderwagen Testsieger

Britax Römer für das Modell „GO BIG“ mit dem Gesamturteil „Gut“ (2,1). Stiftung Warentest zeigt sich überzeugt von „einfacher Handhabung und kindergerechter Gestaltung“. Der „GO BIG“ ist um 995 Euro im Handel erhältlich.

Joolz für den „Geo Earth“, ebenfalls Gesamturteil „Gut“ (2,4). Der „Geo Earth“ punktet mit der längsten Tragetasche, sie eignet sich bis zu einem Alter von etwa 10 Monaten.

Naturkind für den „Naturkind Vario Pro“ (Urteil 4,0). Dieser Kombi-Kinderwagen ist vollkommen frei von Schadstoffen, allerdings bemängelt man auch hier die Sicherheit beim Einsetzen des Kindersitzes (die allerdings nur bei der Erstinstallation von Bedeutung ist und danach eine sichere Lösung darstellt). Tatsächlich gewinnt dieser trotz des Gesamturteils vor allem in der Kategorie "Kindgerechte Gestaltung", ein Kriterium, dass ua. den Liegekomfort, die Federung und das Gurtsystem bewertet.

ABC Design für das Modell „Condor 4“, Gesamturteil „Gut“ (2,2). Der Kinderwagen geht als Sieger in Punkto Preis-Leistungs-Verhältnis aus dem Test hervor.

Bewertungs-Kriterien

Die ausgewählten Kinderwagen wurden von Stiftung Warentest umfassend auf die Probe gestellt. Zu den Beurteilungskriterien zählten: kindgerechte Gestaltung (45%), Handhabung (35%), Haltbarkeit (5%), Sicherheit (5%) und Schadstoffe (10%). Die Kinderwagen wurden von ausgewählten Testpersonen hinsichtlich Alltagstauglichkeit und Transporteigenschaften überprüft. ExpertInnen beurteilten die Qualität der Gebrauchsanweisungen sowie den allgemeinen Sitzkomfort (Platz im Kindersitz, Liegefläche in der Tragetasche).

In der Klimakammer wurde ebenso getestet wie im Labor. Jene Bereiche des Kinderwagens, die mit den Eltern oder mit dem Kind in Kontakt kommen, wurden besonders genau unter die Lupe genommen. Anzumerken ist in diesem Zusammenhang, dass Stiftung Warentest von den Grenzwerten für Kinderspielzeug ausgegangen ist. Nico Langenbeck, Projektleiter bei der Stiftung Warentest, erklärt dies damit: „Die Norm für Kinderwagen legt nur für wenige Schadstoffe Grenzwerte fest. Wir gehen nach dem Prinzip des vorsorgenden Gesundheitsschutzes vor: Schadstoffgehalte sollten so niedrig wie möglich sein“.

Die Testergebnisse im Detail sind in der aktuellen Ausgabe (03/2017) der Zeitschrift test nachzulesen. Ein Video mit einigen Informationen über den Test, könnt ihr hier nachsehen.

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